Sommerkonzert (06.06.2005)


Stimmliche Naturgewalten, überschäumende Lebensfreude, brillante Instrumentalisten
Good vibes und Superstars beim “American Way of Music” des Zabergäu-Gymnasiums

Der Montagabend in Brackenheim ist kühl. Doch beim traditionellen Sommerkonzert des Zabergäu-Gymnasiums sorgt ein Dutzend Hip Hop-Mädchen auf „Let’s get retarded“ von den Black Eyed Peas von Anfang an für Hitzewellen im Bürgerzentrum, wo ein begeistertes Publikum über zwei Stunden mitwippt, mitklatscht, mitsummt und bei Beat und Klassik, Twist und Rock’n’roll selbst ganz schön ins Schwitzen kommt.
Krasser Wechsel: Acht exzellente Flötistinnen bestechen mit Passagen aus der Rodrigo-Suite von G.F.Händel und dem Klassikohrwurm von J.Pachelbel, „Kanon“. Den teils überdimensionalen Blockflöten entlocken die jungen Musikerinnen vorsichtig die tiefsten und zartesten Töne. Klassisch, unendlich ruhig – und unendlich perfekt.
Bei den vier Cellisten – Astrid Mörk ist erst 11, Alexander Buddrick Abiturient – fühlt man sich in die gute, alte Stummfilmzeit versetzt. Der Rag von Scott Joplin, den man eher auf einem klimpernden Piano erwarten würde, klingt wohltuend weich, trotz der Verfremdung – und auch er wird makellos gespielt, dank vier herausragender Musiker.
Eine Hommage an ABBA und damit völlig im Trend - der Kammerchor. Das Medley aus ihren größten Erfolgen verlangt zwar viel Konzentration, aber die Begeisterung für die Musik der Schweden ist auch nach Jahrzehnten ungebrochen – und der Auftritt des Schüler-Lehrer-Ensembles ein Erfolg.
Schwieriger geht’s kaum: „A nightingale sang in Berkeley Square“, diese romantische Ballade, die von England aus Amerika eroberte und von jedem Klassiker des amerikanischen Showbiz gesungen wurde, a cappella u.a. von Annika Burghardt und einem bemerkenswerten Soloteil von Anne Mareike Schmidt präsentiert – ein musikalischer Sommernachtstraum.
Und dann wird’s so richtig laut, bunt, quirlig auf der Bühne, unruhig im Publikum: The beat goes on! Popmusik überwiegend aus den 60er, 70er, 80er Jahren. Gewaltige Stimmen, mitreißende Choreographie, kesse Mädchen in bunten Mini-, Midi- und Maxiröcken wie vor 30 Jahren, gegelte junge Männer in schicken Hemden. Carolin Schneider braucht eigentlich kein Mikrofon, ihre Stimme erreicht auch noch das Foyer – und sie ist auch noch was fürs Auge. „Material girl“ Annika Sezer, im schwarz-weißen Pünktchenkleid, lässt Madonna alt aussehen, sexy, souverän, mit einer Stimme wie geschaffen für eine Broadway-Bühne. Twist, Rock’n’roll, Locomotion, Blues – Arthur Nowak, Sebastian Schaible und Timon Burghardt steigen auf zu Stars am ZGB-Pophimmel, und Viktor Ruff überrascht bei „Beat it“ sowohl durch eine großartige Stimme als auch durch seine Tanznummer – und lässt Michael Jackson noch eine Nuance bleicher werden.
Miriam Zipperle und die Brackenheimer Streicher haben kein Problem, nach diesem Trubel mit dem „Palladio“ von Karl Jenkins die Zuhörer ebenfalls zu fesseln. Sichere Bogenführung, faszinierende Geschwindigkeit, exakte Pausen und Spannung durch ständige Crescendi und Decrescendi – Musik zum Zurücklehnen, Entspannen, Genießen.
Noch einmal zurück zum „American Way of Music“: Der „Watermelon Man“. Echte Improvisation oder überzeugende Täuschung? Jonathan Essig ist ein virtuoser Saxophonist, bei dem alles so „easy“ wirkt, bei dem Musik nicht aus dem Kopf, sondern aus dem Bauch, besser noch aus der Seele kommt, mit Florian Wohland am Schlagzeug ein geniales Paar.
Dann: Glenn Miller-Melodien. Jede Menge Saxophone, zwei von Mädchen glänzend gespielte Posaunen, kraftvolle Trompeten wie die von Sebastian Gries. Und schließlich Broadway-Melodien, „New York New York“, „On Broadway“…. Das riesige Schulorchester beendet den Abend mit einem grandiosen Finale……….fast!
Standing ovations, laute Rufe nach einer Zugabe – die Musiker müssen noch einmal zu ihren Instrumenten greifen. Donnernder Applaus für Inge Meyerrieks (Choreographie) und die Musiklehrer Dana Sedlatschek, Siegfried Liebl und Daniel Strasser. Rote Rosen und wehmütige Abschiedsworte für die acht Abiturienten, die zum letzten Mal bei einem Schulkonzert mitgewirkt haben.
Jedes Jahr glaubt man, die Brackenheimer Musiker hätten ihren Zenith erreicht, aber auch dieses Jahr haben sie die Konzerte der letzten Jahre weit hinter sich gelassen. Musikalische Genialität und die Liebe zur Musik, Bereitschaft zur Arbeit und die berühmte Chemie, die offensichtlich bei allen Beteiligten stimmt: Das Ergebnis ist ein Abend der absoluten musikalischen Superlative, wie ihn sich eine Schule überhaupt nur wünschen kann.   (H.El.)




Bilder: Photo-AG , Martin Naujocks