"Voll die Party" - Ein Projekt zur Suchtprävention
04.05.2011
Liebe Leserinnen und Leser;
heute möchte ich über ein am Zabergäu-Gymnasium neu durchgeführtes Projekt mit dem Namen "Voll die Party" berichten.
Alkohol lässt sich in unserer Gesellschaft für die meisten Menschen nicht mehr wegdenken. Er ist fester Bestandteil des Alltags und wird mit Freizeit, Geselligkeit und Spaß verbunden. Gleichzeitig ist er jedoch auch das Rauschmittel, welches im Jugendalter am häufigsten konsumiert wird, was sich auch darin widerspiegelt, dass die Zahl der jungen Menschen, die wegen Alkoholvergiftungen im Krankenhaus behandelt werden müssen, zugenommen hat. Der Genuss von Alkohol ist für viele Jugendliche nicht nur ein Symbol für das Erwachsensein, sondern kann auch die Stimmung heben und die Akzeptanz unter Gleichaltrigen fördern.
Beim Planspiel „Voll die Party“ wird die Situation, in der Jugendliche tatsächlich zum Alkohol greifen, nachgestellt, ohne dass die jungen Menschen dabei durch wirklichen Alkoholgenuss in Gefahr geraten, denn an der Bar erhält man anstelle von Alkohol Kunststoffchips. „Voll die Party“ soll dazu beitragen, dass die Jugendlichen ihr Verhalten in Bezug auf Alkohol reflektieren und neue Verhaltensweisen ausprobieren. Dies passiert, indem der soziale Druck beim Trinken und die Folgen von Alkoholmissbrauch aufgezeigt und bewusst gemacht werden. „Voll die Party“ kann somit einen sinnvollen Beitrag zur Prävention von Alkoholmissbrauch im Jugendalter leisten.
Prävention ist ein wichtiger Bestandteil im Sozialcurriculum des Zabergäu-Gymnasiums. Das Planspiel „Voll die Party“ wird dieses Jahr zum ersten Mal als zusätzlicher Baustein zum Unterrichtsstoff in Biologie in allen siebten Klassen durchgeführt. Es handelt sich hier um ein Gemeinschaftsprojekt von Schulsozialarbeit am Zabergäu-Gymnasium und dem Jugendhaus Brackenheim.
Die erste Klasse, mit der am 02. Mai, direkt nach den Osterferien, „Voll die Party“ durchgeführt wurde, war die 7a. Nachdem die Schülerinnen und Schüler gegen 9.45 Uhr mit ihrer Lehrerin Frau Seifert im Jugendhaus eintrafen, wurden sie vom Jugendhausteam bestehend aus Frau Grewe, ihren Helfern Sven und Eddy sowie mir begrüßt. Wer Lust hatte, durfte sich ein Verkleidungsstück (z.B. Hut, Schal, Gürtel,…) aussuchen, um sich besser in seine zugewiesene Spielrolle einzufinden. Anschließend wurde den Jugendlichen das Planspiel erklärt. Danach hatten sie 45 Minuten lang Zeit, um sich in ausgelassener Partystimmung zu vergnügen. Mit Hilfe von Fanta, Cola, Knabbersachen und Musik wurde versucht, im Jugendhaus eine Partyatmosphäre herzustellen. Die Teilnehmer traten miteinander in Kontakt und kamen an die Bar, wo sie Chips erhielten, die symbolisierten, welche Menge an Alkohol sie schon getrunken hatten. Das Trinken war mit guten und schlechten Erfahrungen verbunden. Mit zunehmender Spieldauer stieg die Chance, „betrunken“ zu werden und die Wahrscheinlichkeit, dabei in Schwierigkeiten zu geraten, ebenfalls.
Im Anschluss an die Spielphase fand zunächst eine mündliche Auswertung statt. Wenige Kids waren bis zum Ende des Spiels gar nicht an der Bar (waren nüchtern), manche hatten 5-6 Chips (relativ nüchtern), der Rekord lag bei über 40 Chips (volltrunken).
In der drauffolgenden Gesprächsrunde zeigte sich, dass viele Jugendliche während des Planspiels geschummelt hatten, um an Alkohol zu kommen. Es wurde auch schnell klar, dass es sehr leicht ist an Alkohol zu kommen, selbst wenn man noch zu jung dafür ist. Nicht alle Verkäufer lassen sich einen Ausweis zeigen, wie es das Jugendschutzgesetz für Personen unter 18 Jahren vorschreibt. Wer an einem verantwortungsvollen Verkäufer scheitert, hat jedoch immer noch die Möglichkeit, sich Alkohol von einer volljährigen Person besorgen zu lassen. Wer eine Rolle als Alleintrinker zugewiesen bekommen hatte, tat sich schwer, sich als Teil der Gruppe zu fühlen. Zu den Leuten, die den gleichen Drink bevorzugten wie man selbst, fühlte man sich dagegen zugehörig.
Die Jugendlichen waren überrascht, wie sehr man durch die Gruppe oder die zunehmend entstehende lockere Stimmung beeinflusst werden kann und der ursprüngliche Vorsatz nicht viel zu trinken, verworfen wurde.
Im Anschluss an die ausführliche Gesprächsrunde wurden noch zwei Fragebögen an die Schülerinnen und Schüler ausgeteilt. Der erste Rückmeldebogen wurde anonym ausgefüllt und wieder an das Durchführungsteam zurück gegeben. Hier zeigte sich, dass durch das Planspiel fast jeder Jugendliche einen Erkenntniszuwachs im Umgang mit Alkohol gewonnen hatte. Der zweite Fragebogen war zum persönlichen Verbleib gedacht und zuhause auszufüllen. Er sollte dazu dienen, den eigenen Umgang mit Alkohol zu überdenken und sich gegebenenfalls mit der Clique, den Freunden oder einem Erwachsenen seines Vertrauens darüber zu unterhalten.
Alles in allem waren sich die Durchführenden darüber einig, dass dieses neue Projekt eine sinnvolle Ergänzung zum im Unterricht behandelten Thema Alkohol darstellt.
Ihre und eure Schulsozialarbeiterin
am Brackenheimer Schulzentrum
Elke Beierle
Kontaktdaten der Schulsozialarbeit am Brackenheimer Schulzentrum
Elke Beierle Janet Geltz
Zabergäu-Gymnasium Theodor-Heuss-Schule
Theodor-Heuss-Grundschule Henry-Miller-Schule
Zimmer Nr. 124 (ZGB) Zimmer Nr. 211 (THS)
Tel. 07135 / 98 29 386 Tel. 07135 / 98 29 381
E-Mail: elke.beierle@djhn.de E-Mail: janet.geltz@djhn.de

