Der Duft des Studiums
Von Marian Rostan - Heilbronner Stimme vom 28.4.2011
Heilbronn - Dass zwischen Schule und Hochschule Welten liegen, ist eine altbekannte Behauptung von mahnenden Lehrern, die ihren Abschlussklassen ein baldiges Ende der bequemen Schulzeit prophezeien. Ob an diesem Gerücht tatsächlich etwas dran ist, können Studieninteressierte beim Programm "Studieren probieren" der Hochschule Heilbronn herausfinden.
Morgens Arabisch
"Sabah al-chair, kaifa-l-hal." Eine ungewöhnliche Begrüßung erwartet die Probestudenten in der Arabisch-Vorlesung von Josephin Seel. "Das heißt: Guten Morgen, wie geht"s", erklärt die Ägypterin. Die Arabisch-Neulinge dürfen sie sich auch gleich an einigen Vokabeln versuchen. "Ich finde das interessant, weil es mal was komplett anderes ist", sagt Ann-Kathrin Willenborg. Die 19-Jährige hat gerade ihr Abitur in Niedersachsen gemacht und überlegt sich, in Heilbronn Internationale Betriebswirtschaft − Interkulturelle Studien (Ibis) mit Fokus auf den arabischen Raum zu studieren.
Einen großen Unterschied zur Schule hat sie bis zur Mittagspause noch nicht bemerkt. "Ich denke aber, dass vor allem selbstständiges Arbeiten an der Hochschule weitaus mehr gefragt sein wird."
Um 13 Uhr ist die Mensa gut gefüllt. Auch viele der Teststudenten probieren das oft mythenumrankte Essen und schnuppern den "wahren" Duft des Studiums. "Mir fällt auf, dass es hier entspannter zugeht als in der Schule", bemerkt Tim Müller aus Landau in der Pfalz. Der 20-Jährige ist ebenfalls in Heilbronn, um den Ibis-Studiengang auszuprobieren, der in dieser Form nur hier existiert. "Null-Bock-Stimmung gibt"s nicht, die Leute hier interessiert das, was sie machen." Und auch das Essen findet er gar nicht schlecht.
Ann-Kathrin Willenborg besucht zum Tagesabschluss die Einführungsvorlesung in BWL. Hier heißen die Vokabeln nicht wie am Morgen sayaara (Auto) oder taa"ira (Flugzeug) sondern Gewinnmarge oder Kostenminimierung. Trotz der vielen ungewohnten Eindrücke hat der Probetag sie in ihrem Studienwunsch bestärkt. Ihr Traum ist es, bei einer Nicht-Regierungs-Organisation zu arbeiten. Die Absolventin des doppelten Abijahrgangs macht sich keine Sorgen, einen Studienplatz zu bekommen: "Die G8er sind alle so jung, die denken noch überhaupt nicht ans Studieren und ans Ausziehen von zu Hause."
