Wenn Engel reisen ...

Der Besuch ihrer französischen Austauschpartner in Brackenheim lag gerade 3 Wochen zurück, als sich 29 Schülerinnen und Schüler des Zabergäu-Gymnasiums mit ihrem Begleitlehrer am Samstag, dem 20. Mai im roten MÜLLER-Bus auf den Weg nach Charnay machten. Die jüngsten Teilnehmer befinden sich gerade im 2. Lehrjahr Französisch (Klasse 7), die ältesten besuchen die Klasse 10.

Nimmt man das Reisewetter zum Maßstab, muss der Bus voller Engel gewesen sein: Sommerlich warm, Sonnenschein und stahlblauer Himmel. Schon die Reise durch das Rheintal, am Kaiserstuhl vorbei und dann durch Burgund war ein – von den Schülern allerdings nur beiläufig notiertes – Erlebnis.

Groß war das Hallo, strahlend die Gesichter, als der Busfahrer hinter dem Rathaus von Charnay gegen 15:30 Uhr die Türen öffnete. Alle „fanden“ schnell ihre französische „Familie auf Zeit“, weil man mit seinem Austauschpartner ja schon in Brackenheim 8 Tage zusammen verbracht hatte und weil manche schon zum zweiten oder bereits dritten Mal am Austausch teilnahmen.

Dann begann das Wochenende. Für manchen die erste Hürde, denn bis Montagmorgen sollte man sich nun in einer z.T. fremden Welt ohne bekannte Gesichter zurechtfinden. Alle französischen Familien gaben jedoch ihr Bestes, um diese Hürde nicht besonders hoch werden zu lassen. So nahmen viele ihren Gast mit auf ein Volksfest, das an diesem Wochenende in Mâcon stattfand. Andere zeigten dem Gast das wunderschöne Burgund (mit der Roche du Solutré).

Am Montagmorgen in der Schule kam es folglich auf dem Schulhof des collège Bréart zu einem regen Erfahrungsaustausch. Dort bereiteten die Deutschlehrerin Mme Cerro und die stellvertretende Schulleiterin Mme Guichon den deutschen Schülern und dem Begleitlehrer einen herzlichen Empfang. Drei Tage lang gingen unsere Schüler vormittags auf eine französische Schule – die meisten in das collège Bréart, der Mutterschule unseres Austausches mit Charnay – nachmittags hat dann das Partnerschaftskomitee, d.h. dessen Präsidentin Mme Terrenoire und ihr Team, ein Sonderprogramm für die deutsche Gruppe zusammengestellt: Am Montagnachmittag spielten alle mit großer Freude Lasergame, am Dienstag gab es eine Einführung ins Bogenschießen und am Mittwoch fand der Ganztagesausflug mit den französischen Partnern statt. Ziel war der Vogel- und Freizeitpark Le PAL, etwa 120 km westlich von Charnay.

Da auch in Frankreich der Donnerstag ein Feiertag und der Freitag ein unterrichtsfreier Brückentag war, sah sich die deutsche Gruppe erst am Freitagabend zum traditionellen Abschlussempfang in der Salle Ballard in Charnay wieder. Dort hatten alle Zeit und Muße, die von den Eltern bzw. von Mitgliedern des Partnerschaftskomitees mitgebrachten Leckereien zu genießen und Bilanz zu ziehen.

Dass diese Bilanz nicht negativ ausfallen kann, zeigten Tränen bei der Abfahrt am Samstag, dem 27. Mai, und Schwierigkeiten, die Schüler zum Einsteigen in den Bus zu bewegen. Auch in vielen Gespräche mit den teilnehmenden Schülern, den französischen Eltern und den uns betreuenden Freunden wurde ein ausgesprochen positives Fazit gezogen. Wir Deutschen haben uns in diesen 8 Tagen in jeder Hinsicht wie der sprichwörtliche „Gott in Frankreich“ gefühlt. Wenn auch nicht alle Beziehungen gleich intensiv oder alle Teilnehmer gleich kommunikativ waren: Für alle war es eine wichtige Erfahrung in ihrem noch jungen Leben, für manche vielleicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, für den Begleitlehrer eine Reise, die er jederzeit wieder antreten würde.

Wolfgang Brunstein