Auf den Spuren des Widerstands
Von Elke Khattab - Heilbronner Stimme vom 3.7.2010
" Für uns war es ein Privileg, an diesem geschichtsträchtigen Ort zu leben, zu diskutieren, und Freundschaften zu knüpfen. Durch diese Begegnung ist es uns gelungen, die deutsch-polnische Geschichte an authentischen Orten wahrzunehmen", fasst Annette Richter, Lehrerin am Zabergäu-Gymnasium Brackenheim, zusammen. Als Zuständige für den Polenaustausch der Schule hatte sie im Herbst vergangenen Jahres die Teilnahme an der Geschichtswerkstatt "My history − Your history" initiiert, deren Ergebnisse am Mittwochabend als Abschluss des Projektes im Theodor Heuss Museum präsentiert wurden.
Einen denkwürdigen Ort hatten sich die je 14 Elftklässler aus Brackenheim und der polnischen Partnerstadt Zbroslawice in Begleitung ihrer Lehrerinnen Annette Richter und Ewa Nawrocka für ihr Treffen ausgesucht: Das Gut Kreisau im polnischen Krzyzowa, das bis 1945 Familiensitz der Familie von Moltke war und wo sich einst die Mitglieder der Widerstandsgruppe "Kreisauer Kreis" trafen. Mit Unterstützung von Freya von Moltke zu einem Ort der Versöhnung und Stätte zur Aufarbeitung der Geschichte zwischen Ost und West eingerichtet, wurde das Gut zur heutigen "Internationalen Jugendbegegnungsstätte Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung" umgewandelt.
"Es war eine gelungene Begegnung. Freya von Moltke wäre zufrieden gewesen", so Annette Richter über den einwöchigen Aufenthalt. Im Rahmen von englischsprachigen Workshops erforschten die Schüler die deutsch-polnische Vergangenheit und erarbeiteten eine Kabinettausstellung zur Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis. Das Schicksal der Widerstandkämpfer konnten die Schüler authentisch anhand der letzten Briefe von Helmuth James Graf von Moltke nachvollziehen, die er vor seiner Hinrichtung an Ehefrau Freya schrieb: "Uns ist bange, aber wir verzagen nicht", präsentierten die Schüler in ihrer musikalisch umrahmten Lesung, oder auch: "Der Auftrag, für den Gott mich gemacht hat, ist erfüllt."
Nicht vergessen dürfe man die Vergangenheit, denn sie reiche bis in die Gegenwart hinein, sei den Schülern und Schülerinnen durch die gemeinsame Geschichtswerkstatt klargeworden: "In unserem Alter denkt man eigentlich nicht an die deutsch-polnische Geschichte. Sie ist uns erst während des Projektes bewusst geworden", so Sally Gartz und Anna Erb, denen an diesem Abend ebenso wie ihren Mitschülern ein Zertifikat über die Teilnahme am Projekt verliehen wurde. Die Bedeutung der Begegnung und die Ausstellung im Theodor-Heuss-Museum hebt auch Museumsleiterin Susanne Blach hervor: "Es ist wichtig, das Engagement der jungen Menschen zu würdigen. An ihnen liegt es, die Zukunft demokratisch zu gestalten und Demokratie als Wert zu erkennen."
In der Reihe "10 Jahre Theodor-Heuss-Museum im neuen Gewand" wird die Kabinettausstellung bis 1. August zu sehen sein.
