Polnische Schüler 2006 in Brackenheim

Viel geboten wurde den polnischen Schülern bei ihrem Aufenthalt in Brackenheim, sodass sie kaum Zeit zum "Verschnaufen" fanden - siehe dazu den Bericht aus der Heilbronner Stimme:


Volles Programm - fast ohne Verschnaufpausen

Von Stefanie Pfäffle

 

Stadtrundgang, Mercedes-Benz-Museum oder ein Ausflug nach Tripsdrill: Eine Woche lang sind 16 Schüler

aus dem polnischen Zbroslawice am Zabergäu-Gymnasium in ihrer deutschen Partnerstadt Brackenheim zu

Gast - und es gibt viel zu tun.

 

Deutsche und polnische Sprachfetzen irren durch den Raum. Jugendliche von der siebten bis zur zwölften Klasse beugen sich, in vier Gruppen aufgeteilt, über ihre Kunstwerke. Auf vier Großleinwänden entsteht eine Collage zu ihrem Austausch. „Nur Zbroslawice muss integriert sein, ansonsten haben sie freie Hand“, erklärt Gabriela Globisch, eine der Lehrerinnen, die im Austauschprogramm mitwirkt.Seit fünf Jahren gibt es die Verbindung zwischen der schlesischen Stadt und der Zabergäugemeinde, gleichzeitig fing auch der Austausch an. „Bisher waren nur die Oberstufenschüler beteiligt, da es praktisch eine Kooperation zwischen Gymnasium hier und Lyzeum in Polen war.“ Das Lyzeum sind die letzten drei Schuljahre in Polen. Jetzt soll allerdings ein Wandel zu jüngeren Schülern erfolgen, sodass in diesem Jahr sowohl Siebt- als auch Elft- oder Zwölftklässler

beteiligt sind. Im Gegensatz zu einem Austausch zwischen Partnerschulen können die Schüler in Brackenheim und Zbroslawice mehrmals teilnehmen, so dass sich einige Jungen und Mädchen bereits kennen. Marta Dudek ist zum Beispiel bereits zum zweiten und, wie sie bedauert, letzten Mal dabei. Die 15-jährige Polin ist bald mit der Schule fertig. „Mir gefällt es hier richtig gut und ich kann meine Sprachkenntnisse verbessern“, erklärt sie in fast akzentfreiem Deutsch. Gerade einmal fünf Minuten und zum Schlafen sei sie seit ihrer Ankunft am Sonntag täglich zu Hause - so viel unternehmen die Jugendlichen. Offiziell gehören da die Unterrichtsbesuche, eine Stadtbegehung in Heilbronn und ein Besuch im Mercedes-Benz-Museum Stuttgart dazu. Im inoffiziellen Teil waren sie schon im Erlebnispark Tripsdrill und auch bei Ikea. „Da habe ich

mir einen Teppich gekauft.“Ihre Freundin Monika Walosczyk (14) ist zum ersten Mal in Brackenheim und ebenfalls begeistert. „Die Schule ist schön und meine Gastfamilie ist sehr nett.“I sa-Maria Schmidt beteiligt sich nun bereits zum zweiten Mal am Austausch. „Man kann etwas Neues erleben, auch eine völlig andere Kultur“, erzählt die 16-Jährige. In Polen sei alles komplett anders, die Häuser, die Landschaft und auch die Einstellung der Menschen. „So eine Gastfreundschaft würde man hier nie erleben.“ Um dem etwas entgegen zu wirken, nimmt sie auch selbst gerne einen Gastschüler auf. Man wolle seinen neuen Freunden schließlich auch die eigene Heimat zeigen. Während in den vergangenen Jahren immer ein umfangreiches Programm für den einwöchigen Aufenthalt organisiert wurde, ist es diesmal etwas entzerrter. „Der Aufenthalt in den Familien und die Schule soll mehr in den Mittelpunkt rücken“, erklärt Gabriela Globisch. Und dazu gehört eben auch das gemeinsame Malen.

Teilnehmerin Jennifer Höra berichtet von ihren ersten Austauscherfahrungen:

Nun…Der Polenaustausch stand dieses Jahr mal wieder kurz bevor. Aber dieses Mal waren ausgesprochen viele Unterstufenteilnehmer (7.Klässler) dabei, was sehr schön war! Dies wird nun ein kleiner Bericht zum Austausch 2006!

 

Sonntagabend ungefähr um 19.00Uhr kamen die polnischen Schüler mit dem Bus an. Viele deutsche Teilnehmer waren sehr aufgeregt, da es für die Siebtklässler das erste Mal war, einen Austausch mit einem Kind zu machen, das sie vorher noch nicht kannten, und natürlich hofften alle, dass sie einen netten und unternehmungslustigen Austauschpartner bekämen! Schon beim Abholen der Polen (was eigentlich am Parkplatz des Wiesentals stattfinden sollte) gab es ein Missverständnis. Der Bus wartete nicht wie geplant am Parkplatz, sondern an der Schule. Die polnischen Austauschschüler wurden dann sehr schnell zu ihren deutschen Gastgebern aufgeteilt und die ersten Hoffnungen wurden wahr! Die Gastgeberfamilien nahmen ihr Kind mit nach Hause und lernten sich erst einmal kennen. Am nächsten Morgen mussten die“ armen“ Austauschschüler gleich mit an unserem Unterricht teilnehmen. Zum Glück machten wir noch am Vormittag einen Ausflug nach Heilbronn. Wir bekamen eine Stadtführung und Frau Globisch besorgte uns noch Kinokarten, die wir im Laufe der Woche benutzen konnten. Manche haben sie gleich eingelöst und sind abends noch ins Kino gegangen, aber die anderen ließen sich damit noch Zeit. Am Dienstag mussten wir alle in die Schule und mussten den Anforderungen der Lehrer (Hausaufgaben) folgen. L Aber nach der Pause wurden wir von dem Bürgermeister von Brackenheim eingeladen, um mit den Polen einen kleinen Dokumentarfilm über den Kreis Brackenheim zu sehen und über den Austausch der vergangenen Jahre zu reden. Den Rest des Tages durften die Gastgeber mit ihrem Austauschkind frei gestallten. Der Mittwoch war dagegen schon anders. Denn da hatten wir den ganzen Tag schulfrei. Wir fuhren nach Stuttgart ins Daimler-Benz Museum mit dem Bus und brauchten knapp eine Dreiviertelstunde, bis wir vor dem Museum waren. Drei Stunden konnten wir das Museum besichtigen. In kleinen Grüppchen marschierten wir mal nach links, mal nach recht, mal nach oben und mal nach unten. Nach 3 Stunden hin und her laufen mussten die meisten erst mal was essen und sich unterhalten. Kurz danach sahen wir uns alle schon vor der Königstraße stehen, denn wir durften noch shoppen gehen. Drei Stunden hatten wir Zeit die Königsstraße unsicher zu machen. In gemischten Grüppchen zogen polnische und deutsche Jugendliche miteinander los. Egal ob die Füße schon weh taten,  alle gingen die Königsstraße hoch und noch mal runter, um ja alles gesehen zu haben, was man kaufen kann. Manche kamen ein bisschen später und die anderen warteten auf einer Parkbank und fütterten die Tauben. Als wir uns alle am verabredeten Treffpunkt gesammelt hatten, hatten alle was mitgebracht, egal ob Kissen, Taschen, Postkarten oder Gürtel. Alle waren vom vielen Hin- und Herlaufen fix und fertig. Zum Glück fuhren wir dann mit dem Bus wieder nach Hause. Donnerstag mussten wir wieder zuerst einmal in die Schule und danach gab es ein Projekt: Acrylbildermalen mit unseren Polen. Wir setzten uns in kleineren Gruppen zusammen und fingen an auf den leeren, weißen Leinwänden zu malen. Einige malten einfach drauf los, während die anderen erst einmal genau überlegten, was sie malen sollten. Nach zwei Stunden künstlerischer Arbeit war die Leinwand nicht mehr weiß und leer, sondern es waren wirklich schöne Kunstwerke daraus geworden. Anschließend gab es ein kleines Abschlussfest unten auf dem Schulhof. Wir grillten und saßen alle gemütlich zusammen. Anderen wurde es zu langweilig und sie spielten auf dem Hof Fußball oder kletterten zum Kindergarten rüber, um sich dort zu unterhalten. Es war ein sehr netter Abend. Am Feitag wiederum hatte jeder Gastgeber noch einmal Zeit, etwas zu unternehmen. Manche fuhren nach Tripdrill, ins Aquatoll oder blieben ganz zu Hause. Das war der letzte Tag, den wir mit unseren Austauschfreunden genießen konnten. Am Samstag war es leider wieder so weit Abschied zu nehmen. Der Bus unserer Freunde stand schon bereit und schweren Herzens sah man zu, wie die Koffer in den Bus verstaut wurden. Tränen flossen über die Wangen der Gastgeber und der Austauschkinder. Manche wollten gar nicht Abschied nehmen und hier bleiben, doch das ging leider nicht. Der Motor brummte, die Hupe ertönte und der Bus fuhr mit unseren winkenden Freunden wieder nach Hause in ihre Heimat Zbrolawice. Auf ein Neues, wenn wir zu ihnen nach Polen kommen.

Jennifer Höra, Klasse 7c