Der Schüleraustausch - 22 Schüler und 2 Lehrerinnen ziehen gegen Osten
Matthias Hermann aus der 7a hat am Polenaustausch teilgenommen und eine GFS im Fach Erdkunde dazu angefertigt. Seiner Arbeit lagen noch Karten und Fotos bei. Eine gelungene Arbeit, die bestimmt viele Zbroslawice-Interessierte lesen möchten.
Polen gehört zu den größten Ländern Europas, hat aber weniger Einwohner im Vergleich zu Deutschland. Viele Geschäfte in den Großstädten sind für polnische Verhältnisse recht teuer, aber immer noch günstiger als in Westeuropa. Auf Märkten oder in kleineren Städten kann man Benzin, Tabakwaren oder Lebensmittel billiger einkaufen als in Deutschland. Die Polen sind sehr gläubig. Am Sonntag in die Kirche zu gehen gehört zum Leben. Das Land ist fast einheitlich katholisch Die Gemeinde, die wir besuchten, heißt “Gmina Zbroslawice“. Man kann sie sich wie die Brackenheim und Umgebung vorstellen. Insgesamt hat die “Gmina Zbroslawice“ 20 Ortsteile. Wie bei uns gibt es in jedem Dorf eine Kirche.
18.5.07: Nach vielen Wochen des Wartens ist es endlich soweit. Wir fahren nach Polen! Doch bis wir dort ankommen, müssen wir noch ein schönes Stück mit dem Bus fahren. Nachdem das Gepäck verstaut war und alle sich von den Eltern verabschiedetet hatten, fuhren wir gegen 8.15 Uhr endlich los. Im Bus ging es gleich von Anfang an sehr aufgeregt zu, denn wer kommt schon jeden Tag nach Polen. Schon als wir bei Nürnberg die erste Rast einlegten, fragten manche, wie lange es noch dauern würde. Aber es half nichts. Die Fahrt ging weiter. Nach der zweiten Pause (150 km vor der Grenze) war dann endlich Ruhe eingekehrt, denn der Busfahrer legte den Film Casino Royal ein. Das half dann wenigstens für 2 Stunden. Die Grenze rückte währenddessen immer näher. Gegen 16.00 Uhr überquerten wir dann endlich die Grenze. Der Jubel war groß, aber nach wenigen Minuten sank er wieder, als wir den Busfahrer fragten, wie lange es noch dauerte. Es waren noch satte 300 km! Und das war nicht genug, der Busfahrer weigerte sich noch einen zweiten Film einzulegen. Also mussten wir uns mit MP3 Playern, Handys und Zeitschriften zufrieden geben. Nach 11 Stunden durften wir zum ersten Mal polnischen Boden betreten. Da wir noch nicht die polnische Währung (Zloty) hatten, konnten wir uns auch noch nichts kaufen. Nach 12,5 Stunden kamen wir dann endlich in der Schule von Kamieniec an. Wir wurden mit Plakaten und Jubelrufen empfangen. Doch wir wussten noch nicht zu welchen Gastfamilien wir kamen. Dazu gingen wir in die Schule und wir wurden den entsprechenden Familien zugeteilt. Das Gepäck in den Autos verstaut und los ging’s in die verschiedenen Teilorte. Nach der Begrüßung in den Gastfamilien wurde noch zu Abend gegessen und ab ging’s in die Federn.
Das Wochenende verbrachte jeder bei seiner Gastfamilie.
21.5.07: Das Wochenende war vorbei und wir mussten, wie bei uns daheim, in die Schule. Mit dem Bus, dem Auto oder zu Fuß kamen von allen Seiten Schüler in die Schule geströmt. Wir trafen uns um 8.00 Uhr im Foyer der Schule. Anschließend wurden wir in die entsprechenden Klassen des Austauschschülers eingeteilt. Manche kamen von der 7. Klasse in die 9. Klasse, manche von der 8. Klasse in die 6. Klasse. Außer im Deutschunterricht verstanden wir in den anderen Fächer nicht viel, trotzdem schrieben wir fleißig mit, was an die Tafel geschrieben wurde. In Polen gibt es die Noten von 6 bis 1. Die 5 ist dabei die beste Note, die 1 die schlechteste. Eine 6 wurde nur selten an die Schüler verteilt. Nach dem Unterricht aßen wir in der Mensa zu Mittag. Es gab Sauerkrautsuppe mit Kartoffeln und Farfalle mit Hackfleischbällchen. Das schmeckte ziemlich gut. Die Mensa in Polen war nur halb so groß wie die in Brackenheim. Um 14.00 Uhr wurden wir vom Bürgermeister der Gemeinde Zbroslawice begrüßt. Natürlich hatte er einen Übersetzer dabei, da er kein Deutsch konnte. Nachdem er seine Rede beendet hatte, brachten wir ein Geschenk an die polnischen Lehrer und fünf von uns stellten noch mit Plakaten das Zabergäu vor. Die polnischen Schüler hatten auch etwas vorbereitet uns sie sangen uns ein deutsches und ein polnisches Lied vor. Da manche Gastfamilien am Wochenende nichts unternommen hatten, schlug Frau Globisch vor in das derzeit noch größte Kaufhaus in Polen zu fahren. um ein wenig zu shoppen. In Warschau wird noch ein größeres Kaufhaus gebaut. Nachdem wir uns von unseren Gastfamilien abgemeldet hatten, fuhren wir um 16.00 Uhr mit dem Bus nach Katowice (30 km). Dort durften wir bis 20.00 Uhr shoppen. Da es recht teuer war, kauften nur wenige etwas ein. Die 100 Läden konnten wir gar nicht alle anschauen, weil die Zeit zu knapp war. Es gab auch Filialen der deutschen Handelsketten, wie zum Beispiel der Saturn, der Lidl und der Praktiker. Um 20.00 Uhr kamen wir erschöpft aus dem Kaufhaus und waren froh endlich im Bus zu sitzen, denn unsere Beine taten vom vielen Laufen weh. 1 Stunde später saßen wir in den Autos. Den restlichen Abend verbrachten wir in bei den Gastfamilien.
22.5.07: Um 7.55 Uhr trafen wir uns in der Schule von Kamieniec. Aufgeregt durften wir sein, denn wir fuhren, nach Warschau und Lodsch, in die drittgrößte Stadt Polens: Krakau. Krakau wird heute noch als heimliche Hauptstadt Polens bezeichnet, denn sie war 1596 Hauptstadt. Nach zwei Stunden Fahrt kamen wir endlich in Krakau an. Wir wurden schon von unserem Stadtführer erwartet. Zum Glück sprach er ziemlich gut deutsch. Als erstes sahen wir das Wahrzeichen von Krakau: die Drachenstatue. Der Drache soll angeblich in einer Höhle unter dem Wawelhügel gehaust haben Die Höhle ist heute ein Ziel für Touristen geworden. Über der Höhle des Drachen erhebt sich der Wawelhügel. Darauf steht das Wawel-Schloss und die Wawel-Kathedrale, unser nächstes Ziel. Mühsam schleppten wir uns den Berg hinauf. Dort angekommen, besuchten wir als erstes das Wawel-Schloss. Dieses Schloss wurde im polnischen "goldenen 16. Jahrhundert" von den Jagiellonen erbaut.Es wurde in den laufenden Jahrhunderten mehrfach umgebaut. Gleich neben dem Wawel-Schloss steht die Wawel-Kathendrale. Besonders beliebt ist bei den Polen das Besteigen des Turmes der Kathedrale (Sigismund-Glocke). An dieser Kirche war übrigens Johannes Paul II. Erzbischof. Jetzt durften wir den langen Weg wieder nach unten laufen, denn wir wollten ja schließlich noch andere Bauten anschauen. 1 km nördlich vom Wawelhügel lag die Krakauer Peter-und Pauluskirche. Sie ist berühmt für die Statuen der zwölf Apostel. Die Kirche war das erste Barockgebäude in Krakau. Weiter ging’s durch eine lange Einkaufsstraße zu unserem vorletzten Gebäude: die Krakauer Tuchhallen auf dem Marktplatz. In den Läden der Tuchhallen kann man bis heute Bernstein, polnische und Krakauer Volkskunst kaufen. Sehr hübsch sind die angestrahlten Krakauer Tuchhallen abends. Gleich neben den Tuchhallen steht eine der beeindruckensten Kirchen von Krakau. Sie beherbergt den wertvollen Altar von Veit Stoß, den größten Hochaltar Europas. An diesem Altar hat der Nürnberger Künstler Veit Stoß 12 Jahre lang gearbeitet. Nach 3 Stunden war das das Ende der Führung und nun durften wir auch shoppen gehen. Ganze 3 Stunden! Doch davor mussten fast alle noch in die Wechselstube in sich die Euros in Zlotys wechseln lassen. In Gruppen konnten wir Kleider-, Schuh-, Sport-und Schmuckgeschäfte durchsuchen und um 18.00 Uhr kamen alle mit vollen Taschen in den Bus. Um 8.00 Uhr kamen wir dann in der Schule von Kamieniec an und wurden von den Gastfamilien nach Hause gefahren.
23.5.07: Nach Krakau machten wir noch eine zweite Exkursion, nämlich nach Brynek in den Neubarocker Palast der Adelsfamilie von Donnersmark. Um 8.15 Uhr fuhren wir von der Schule ab und wir brauchten ca. 20 Minuten dorthin. Dort angekommen, erwartete uns schon der Palastführer. Er führte uns in den Speisesaal, wo sie früher gegessen und zu besonderen Anlässen getanzt hatten. Als nächstes kam der Gemeinschaftsraum mit ausgestopften Tieren. Dann war die Führung schon vorbei, weil die Stundenten des Forstwesens Prüfung hatten und wir einfach zu laut waren. Eigentlich wollten wir danach Unterricht im Freien machen, aber weil es angefangen zu regnen, mussten wir es doch seinlassen, da der Boden ganz nass war. Als nächstes besuchten wir den 3500 ha großen, botanischen Garten. Der Garten wird von den Studenten des Forstwesens gepflegt. Weil es ja geregnet hat, sah der Garten längst nicht so gut aus wie bei Sonnenschein. Danach verließen wir das Gelände und liefen zum Museum des Forstwesens. Dort erklärte uns ein Angestellter, was man bei Bäumen beachten sollte und wie man den Wald schützen kann. Dann zeigte er uns noch einen Ökopfad, denn wir laufen konnten um mehr über Pflanzen heraus zu finden. Wir nahmen das Angebot an und liefen den herrlichen Pfad. Manche wollten nicht mehr mitgehen und blieben deshalb im Bus sitzen, der bereits auf uns wartete. Zu unserem Glück durften wir uns sogar noch einen Helikopter besichtigen. Nass und erschöpft stiegen wir in den Bus ein und fuhren nach Tarnowski Gory. Wie auch in Krakau durften wir shoppen gehen, aber längst nicht so lang, denn die Stadt ist ja nicht so groß. Hier in Tarnowski Gory ist es zwar günstig, aber richtige Markenklamotten gab es dort nicht. Ein wenig enttäuscht stiegen wir nach 2 Stunden wieder in den Bus ein und fuhren zurück nach Kamieniec. Da es erst vier Uhr war, hatten manche Gastfamilien noch etwas mit uns unternommen. Den Abend verbrachten wir in den Gastfamilien.
24.5. und 25.5.07: Der letzte Tag in Polen begann und wir durften zum letzten Mal in die Schule von Kamieniec. Wie am Montag trafen wir uns um 8.00 Uhr .Wieder nahmen wir am Unterricht des jeweiligen Austauschschülers teil, aber nur bis 10.00 Uhr. Denn die deutschen Schüler und die polnischen Austauschschüler machten zusammen ein Musikprojekt. Wir übten zusammen deutsche und polnische Lieder ein. Das ging überraschender Weise nur eine halbe Stunde. Frau Globisch und Frau Richter hatten sich auch gewundert, dass wir dies in so kurzer Zeit geschafft hatten. Daraufhin durften wir wieder am Unterricht des Austauschsschülers teilnehmen. Um 12.00 Uhr gab es dann das langersehnte Mittagessen. Es gab Suppe als Vorspeise und Fleisch als Hauptspeise. Nach dem Mittagessen durften manche wieder in die Gastfamilien, einige mussten noch in der Schule bleiben. Um 16.00 Uhr veranstalteten wir eine Abschiedsparty auf dem Reiterhof in Zbroslawice, wo manche von uns reiten durften. Wir aßen Würstchen und erkundigten die Gegend, die sehr schön war. Da am Montag der Bürgermeister vergessen hatte, Prospekte auszuteilen, bekamen wir sie jetzt. Im Prospekt ist eine Karte von der Gemeinde Zbroslawice. Die letzten Stunden verbrachten wir noch bei den Gastfamilien, die uns Geschenke für zu Hause mitgaben. Zum Beispiel Wurst, Käse, Süßigkeiten und andere polnische Spezialitäten. Um 20.00 Uhr kam dann der schwierigste Teil vom Austausch: der Abschied. Es flossen Tränen , es wurde umarmt und noch ein wenig geredet. Um 20.30 Uhr starteten wir zurück nach Deutschland. Im Bus wurde viel geredet und laut gelacht. Erst als wir die Autobahn erreichten wurde es ein wenig leiser, denn wir durften wieder einen Film anschauen (Fluch der Karibik 1). Um Mitternacht erreichten wir die Grenze und wir machten eine Stunde Pause. Danach schliefen fast alle ein, bis auf einige die angeblich die Nacht durchmachen wollten. Erst im Morgengrauen wachten dann alle auf und wir machten eine Rast. Der Busfahrer durfte nicht mehr weiterfahren, weil er sonst zu lange am Steuer saß. Der zweite Busfahrer war schon unterwegs und nach fast einer Stunde konnten wir endlich wieder weiterfahren. Gegen 10.00 Uhr trafen wir in Brackenheim ein. Dort wurden wir schon sehnsüchtig von unseren Eltern erwartet. Die Wiedersehensfreude war groß, so manche Tränen sind geflossen. Etwas erschöpft von der langen Busfahrt fuhren wir mit unseren Eltern nach Hause.
Ich denke, es war für alle ein tolles Erlebnis und so mancher freut sich auf den nächsten Austausch.
