Zum ersten Mal verbrachten 26 Zehnt- und Elftklässler des Zabergäu-Gymnasiums Brackenheim einen abwechslungsreichen, neuntägigen Austausch mit Schülern aus dem ‚Instituto Conde Lucanor’ in Peñafiel (Spanien). Sie haben dabei viel über Leben und Kultur in Zentralspanien, fern ab von den bekannten Mittelmeerstränden und Touristenströmen, gelernt. Dabei wurden viele Freundschaften geknüpft, von denen einige sicher über den Austausch hinaus Bestand haben werden.
Mit Bus und Flugzeug ging’s am Donnerstag, den 26. Februar in die 170 km nördlich von Madrid gelegene 6000-Einwohner-Gemeinde Peñafiel im Tal des Duero. Die Kleinstadt ist Hauptort des aufstrebendsten spanischen Weinbaugebietes ‚Ribera del Duero’, und der Wein als verbindendes Element zwischen Württemberg und Kastilien hat wohl eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Initiierung dieser Schulpartnerschaft gespielt.
Während der „Jungfernfahrt“ mischte sich bei den Schülern sowie dem Begleitlehrer etwas Skepsis und Nervosität in die Vorfreude: Wie würde der erste Austausch klappen, wie würden die Teenager in der Gastfamilie und mit der spanischen Sprache zurechtkommen? Doch die Aufregung verflog kurz nach der Ankunft in Peñafiel, wo Schulleiterin C. Rodrigo Mateos, Lehrer, Eltern und Schüler die deutsche Gruppe herzlich willkommen hießen.
Den Schülern stand eine erlebnisreiche Woche bevor. An 2 Tagen begleiteten die deutschen Schüler ihre Austauschpartner in die Schule und hatten so Gelegenheit, den spanischen Schulalltag kennen zu lernen. Der Unterricht beginnt am ‚Instituto Conde Lucanor’ um 8:30 Uhr und endet um 14:20 Uhr. Manches überraschte die deutschen Schüler sofort: „Die spanischen Schüler duzen die meisten ihrer Lehrer und können schlechter Englisch als wir“, stellten mehrere Teilnehmer erstaunt fest. Die Meinungen über den Unterricht gingen alle in die gleiche Richtung: „Die Lehrer sind weniger streng als bei uns und es herrscht weniger Respekt“, befanden einige junge Brackenheimer.
Das Wochenende verbrachten die Schüler in den Gastfamilien, die sich sehr bemühten, den deutschen Gästen viel zu bieten: Die Bandbreite reichte vom Auftischen kulinarischer regionaler Spezialitäten über gemeinsame sportliche Aktivitäten bis zu Ausflügen nach Valladolid, León oder Salamanca.
Auf dem Austauschprogramm standen zudem zwei Ausflüge. Der erste ging mit den spanischen Schülern ins 140 km entfernte Burgos, wo die monumentale gotische Kathedrale sowie die gemeinsame ausgedehnte Mittagspause im Stadtzentrum die Höhepunkte waren. Der zweite führte die Gruppe in die kleine, zum Weltkulturerbe der UNESCO gehörende Stadt Segovia, deren Wahrzeichen – der monumentale römische Aquädukt – die Schüler sehr beeindruckte.
Am letzten Tag stand neben einem Stadtrundgang durch Peñafiel mit seiner großen mittelalterlichen Burg das stimmungsvolle Abschiedsessen aller Schüler und Gasteltern in einem Weingut an. Der Nachmittag endete zwischen Barriquefässern bei einer Besichtigung des Weinkellers.
Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen. Den meisten fiel er so schwer, dass sofort Pläne geschmiedet wurden: Äußerungen wie „Wer hat Lust, in den Sommerferien nach Peñafiel zu fahren?“, waren des Öfteren zu hören. Im kommenden Herbst werden sich auf jeden Fall alle im Zabergäu wiedersehen.
Rafael Schäfer