Lügengeschichten à la Münchhausen
Die Klasse 5a beschäftigte sich im Deutschunterricht mit Lügengeschichten, und unsere verehrten Leser können sich davon überzeugen, dass einige Schüler wohl mit dem alten Baron verwandt sein müssen - oder aber mindestens so gut wie er lügen können.
Viel Spaß bei der Lektüre!
Wie ich in Afrika einen reißenden Fluss überquerte - Luca Nawrath
Also, meine teuren und hochgeschätzten Freunde, ich werde euch nun wieder eines meiner aufregenden Abenteuer erzählen.
Ob ihr es glaubt oder nicht, aber es ist tatsächlich so geschehen. Ich wollte damals bei der legendären Ostafrika- Rallye mitfahren, denn der Preis für den 1. Platz war äußerst verlockend. Jungs, ratet mal, was es zu gewinnen gab: 50.000 Euro und eine Reise nach Monaco. Der einzige Haken an der ganzen Sache war, dass das Rennen länger als einen Tag dauerte. Als ich mich dann bei der Rallye angemeldet hatte, flog ich gemütlich nach Afrika. Mein Gepäck bestand überwiegend aus Handventilatoren.
In Kenia angekommen, erkundigte ich mich, wer mein Teamkollege war. Ihr werdet es mir nie und nimmer glauben, wie er hieß. OK, sein Name ist Alllamachatschingdeng. Er ist ein Chinese mit türkischer Verwandtschaft. Alllamachatschingdeng führte mich zu meinem Wagen. Als ich das Prachtstück erblickte, traute ich meinen Augen nicht. Es war eine total vergammelte Rostlaube. Das Kühlwasser tropfte, die Stoßstange war nicht vorhanden, der Auspuff streifte auf der Straße und Scheinwerfer leuchteten in den Innenraum. Wir mussten ziemlich lange warten, bis wir starten konnten. Ihr müsst wissen, meine Lieben, Alllamachatschingdeng war einer der schreckhaftesten Menschen, die ich kenne. Beim Knall der Startpistole sprang er aus dem Wagen und suchte das Weite. Von nun an war ich auf mich allein gestellt. Nach ein paar Stunden kam ich an eine Art Regenwald. Eiskalter Schweiß lief mir über den Rücken, weil plötzlich Furcht erregende Schlangen von Bäumen herabzüngelten. Gorillas brüllten, was sich anhörte wie: „Huhuhuhuh ayay hhuhuahiiihaaa!“ Schrecklich, nicht wahr, meine Freunde? Aber es gab auch noch weitere fantastische Wesen in diesem Wald. Zum Beispiel: Käfer in der Größe von einem Giraffenkopf oder Vögel mit Fledermausflügeln. Als ich endlich aus dem Wald draußen war, tauchte vor mir ein unüberwindbares Hindernis auf. Ein endlos langer Fluss, der sogar bergauf strömte. Ich wette mit euch, wenn man mit der Hand oder dem Fuß hineintauchte, wurde man mitgerissen. Ich hätte es auch gar nicht getan, denn in dem Fluss waren Krokodile, Schlangen, Piranhas und ähnliche Tiere. Deswegen musste ich mir etwas einfallen lassen, wie ich darüber komme.
Ihr wisst, dass ich geniale Ideen habe, aber bis mir eine kam, dauerte ziemlich lang. Ich hockte mich auf einen Stein und überlegte und überlegte und überlegte. Damit mir nicht so heiß wurde, nahm ich einen meiner Handventilatoren und kühlte mich ab. Es wurde schon leicht dämmrig, als ich plötzlich eine exzellente Idee hatte: Ich baute alle meine Ventilatoren hinten an mein Auto an, befestigte sie mit Scharnieren, die ich bei den Ersatzteilen im Kofferraum fand, damit ich sie bewegen konnte. Danach sägte ich mir einen dicken Ast von einem Baum ab mit der Säge aus dem Werkzeugkasten. An dem stabilen Ast band ich die Plane meines Zeltes fest. Dadurch hatte ich ein Segel für mein Auto. Als ich endlich fertig war, schaltete ich die Handventilatoren an und richtete sie nach unten. Ihr werdet es wahrscheinlich nicht für möglich halten, aber ich flog nun über den reißenden Fluss. Ich wollte gerade am anderen Ufer wieder landen, weil es auf dem Boden schneller voranging, wie wenn man fliegt. Wisst ihr, was dann passierte? Ein riesiges Gewitter brach los, und einem richtigen Gewitter folgt auch immer ein mächtiger Sturm. Er riss mich mit. Zu meinem Pech war es jetzt stockfinster. Nur die LEDs meiner kleinen Handventilatoren gaben ein schwaches Licht ab, womit ich gegen den Sturm kämpfte, bis sie irgendwann ihren Geist aufgaben. Also musste ich jetzt im Dunkeln weiterirren. Als sich der Sturm nach einiger Zeit gelegt hatte, konnte ich landen. Leider wusste ich nicht, wo ich war. Meine verehrten Kollegen, ich muss euch eines sagen: Handventilatoren sind nicht nur zur Abkühlung und Beleuchtung da. Nein, man kann mit ihnen auch hervorragend Löcher buddeln. Ich grub mir eine Höhle, die groß genug für das Auto und mich war. Mein Segel spannte ich über den Eingang der Höhle. Nachdem ich fertig war, schlief ich seelenruhig ein. Als Sonnenstrahlen durch die Plane schimmerten und meine Nase kitzelten, wachte ich mit einem großen Gähnen auf. Ich machte das Auto startklar, entfernte die Zeltplane und fuhr heraus.
Freunde, ich habe vielleicht dumm geschaut, denn der Sturm hatte mich direkt vor die Ziellinie geblasen. Und das Beste daran war, dass ich als Erster das Ziel erreichte. Die anderen standen wahrscheinlich noch immer vor dem Fluss. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie stolz und glücklich ich über diesen Sieg war. Als Einziger im Ziel bekam ich auch noch den Preis für den 2. und 3. Platz sowie eine Sonderausgabe von der „Afrikikta“, der berühmten afrikanischen Zeitung. Ich habe mich halb totgelacht, als ich die Schlagzeile las. Sie lautete: „Der Stern von Bethlehem in Afrika“. Wisst ihr, was das in Wirklichkeit gewesen war? Meine Handventilatoren, deren Licht wie ein Kometenschweif aussah. Die Geschichte war vorüber und ich konnte mit dem gewonnenen Gutschein nach Monaco fliegen und meinen heiß ersehnten Wunsch erfüllen. An diesem Wochenende fuhr die Formel1 in Monaco. Ich hatte genug Geld, um mir ein Ticket für einen VIP-Platz zu kaufen. Tja, meine edlen und teuren Freunde, so hat es sich zu getragen, so wahr ich hier stehe. Woher sonst hätte ich die Autogramme von Michael Schumacher, Sebastian Vettel, Rubens Barrichello und Jenson Button, die in meiner Vitrine stehen? Hm?
Mein Abenteuer in Afrika - Maja Hübner
Als ich letztes Jahr in einem Dschungel in Afrika war, um seltene Riesenvögel zu beobachten, hatte ich ein paar Decken dabei, weil es in der Nacht immer so kalt war. Außerdem war ich mit einem Messer bewaffnet, damit ich mich wehren und verteidigen konnte, und damit ich Fotos von den Riesenvögeln machen konnte, hatte ich eine Kamera mit auf die Reise genommen. Ein ausgehöhltes Horn diente mir zum Wasserschöpfen aus Flüssen oder Quellen. Essen hatte ich keines dabei, da es im Dschungel ja viele Früchte gab. Als ich an einen reißenden Fluss kam, über den weit und breit keine Brücke führte, überlegte ich, wie ich hinüberkommen könnte. Während ich so dastand und nachdachte, hörte ich in den Baumwipfeln über mir einen farbenprächtigen riesigen Vogel krächzen. Sofort zückte ich meine Kamera, um den Vogel zu fotografieren, und da es in dem dichten Dschungel sehr dunkel war, wurde natürlich das Blitzlicht ausgelöst.
Liebe Freunde, ihr werdet es nicht glauben, dieses seltene Prachtexemplar verlor vor Schreck seine wunderschönen langen Federn. Ich sammelte die Federn ein, schnitt mit meinem Messer junge Lianen ab und fertigte mir daraus Flügel. Zuvor wollte ich noch an Land das Fliegen üben, bevor ich den Fluss überquerte. Schon bald funktionierte das Fliegen sehr gut. Zum Start brauchte ich nur noch einen Felsen oder einen Hügel, weil ich aus dem Stand nicht hoch genug kam, um das andere Ufer zu erreichen. Daher suchte ich nach einem geeigneten Startplatz. Da hatte ich die zweite gute Idee. Ich kletterte auf einen hohen Baum und schon flog ich los. In Windeseile war ich über den Fluss hinweg und setzte meine Vogelexpedition fort.
Liebe Freunde, die Federn, die mir über den Fluss halfen, könnt ihr im Naturkundemuseum in meiner Heimatstadt Braunschweig bewundern.
Geheimauftrag "Seltene Termiten" - Felix Koch
Meine Herren, diese Geschichte, die ich ihnen heute erzähle, klingt zwar so unmöglich,doch sie ist wahr . Alles fing so an: Ich las gerade in meiner Zeitung, da kam eine Mail herein. Ich stand auf, schlürfte zu meinem Notebook, öffnete die Mail und begann zu lesen.Als ich damit fertig war, musste ich mich erst einmal setzen .So ein Glück! Ausgerechnet ich hatte diesen Geheimauftrag bekommen, seltene Termiten zu finden. Das war sicherlich nicht so schwer … dachte ich. Ich packte meine Sachen und schon saß ich im Flieger nach Afrika zu meiner gefährlichsten Tour, die ich je erlebt habe, was ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wusste . Ich kam in Südafrika nach einer langen und langweiligen Flugreise an. Meine Augen suchten sofort den Jeep, der mich zu dem Stützpunkt meines Chefs bringen würde . Als ich mit meinem Jeep an dem Lager ankam, lagen meine Sachen schon bereit. Ich nahm den Weg in Richtung Urwald ins Visier und wanderte los . Ich stapfte an Schluchten und Wasserfällen vorbei. Am Abend schlug ich mein Zelt auf, aß und trank etwas und legte mich schlafen . Meine Freunde, was mir in der Nacht passierte, war sehr gefährlich. Am frühen Morgen wachte ich von einem Zischen auf. Ich schlug meine Augen auf und sah eine riesige Schlange, die aus meinem Schlafsack schlüpfte. Ich schnappte mir mein griffbereites Gewehr und zielte in ihre Richtung. Ein Schuss reichte und die Schlange zischte ab . Rasch packte ich meine Sachen ein und ging weiter. Gegen Mittag kam ich an einen rauschenden Fluss. Die Strömung, meine Herren, war sehr schnell und es wäre zu riskant gewesen hinüberzuschwimmen. Ich überlegte eine Weile. Da kam mir ein rettender Gedanke. Ich holte meine Axt und fällte einen Baum, der in der Nähe stand. Den ganzen Tag hieb und schnitzte ich mit meinem Messer an dem Baum herum . Gegen Abend war ich fertig. Ich schlüpfte in mein Zelt und schlief von dem anstrengenden Tag sofort ein . Am nächsten Tag wachte ich früh auf, schnappte meine Sachen und rannte zu dem ausgehöhlten Baumstamm hinüber. Ich schob den Baum, der genau noch an der Stelle lag, an dem ich ihn am Abend zuvor gelassen hatte, ins Wasser. Gerade wollte ich mein Zelt in den ausgehöhlten Stamm werfen, da entdeckte ich viele seltene Termiten auf dem Boden meines „Bootes“. Ich betrachtete ein Insekt gründlich unter einer mitgebrachten Lupe - und schon saß ich mit meinem Zelt im Baumstamm . Eine ganze Weile ließ ich mich den Fluss abwärts treiben. An einer Stelle, die mir geeignet vorkam, ging ich an Land und wanderte weiter bis zu dem nächsten Dorf, was noch fast den ganzen Tag dauerte. Meinen Auftrag hatte ich erledigt, denn die Termiten in dem ausgehöhlten Baumstamm waren genau die, die ich finden sollte. Meine Herren, so hatte ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
