„Wasser bewegt uns“-eine Exkursion an den Bodensee
Für den Menschen gibt es kein Element, das er mehr zum Überleben braucht als das Wasser. Als Trinkwasser hält es uns am Leben, mit Hilfe von Wasser gewinnen wir Energie und im täglichen Gebrauch erleichtert es uns das Leben erheblich. Viele gute Gründe für die beiden zweistündigen Geographie-Kurse von Frau Globisch-Ullmann, sich im Rahmen der GFS der Schülerinnen Franziska Bühler und Vanessa Bausch genauer anzuschauen, wo unser Wasser herkommt und welchen Weg es aus dem Bodensee zu uns in den Wasserhahn zurücklegt.
Bereits vor den Weihnachtsferien begannen die Vorbereitungen zu dieser Exkursion, als Mike Zahner einen Vortrag über die Bodensee-Touristik hielt und uns einen Vorgeschmack gab, wie viele verschiedene Möglichkeiten der Bodensee zu bieten hat, ob für Groß oder Klein, ob im sportlichen, im erholsamen oder im historisch-kulturellen Bereich. Und am 11.Januar, eine Woche vor der Exkursion, folgte eine Einführung von Franziska Bühler bzw. Vanessa Bausch mit Informationen zur Organisation und einer Übersicht über den Tag: Zuerst eine Besichtigung des Wasserversorgungswerkes Sipplingen, das 320 Städte und Gemeinden in ganz Baden-Württemberg mit Wasser versorgt und danach ein Besuch der Stadt Konstanz, mit dem Konzil, das unter Papst Martin V. das abendländische Schisma beendete, der Statue „Imperia“, die im Hafen steht und sich ständig um die eigene Achse dreht und symbolisch das Konzil verhöhnt, dem Stadtgarten und dem Konstanzer Münster.
Am Mittwoch, dem 18. Januar, trafen sich alle früh morgens, um mit dem Bus nach Sipplingen zu fahren. Auf der zweieinhalbstündigen Fahrt drehten sich die Gespräche meist um Zukunftspläne oder das bevorstehende Abitur, es gab aber auch Schüler, die einfach nur schliefen. Die Sonne schien von morgens bis abends und ließ uns keine Sekunde im Stich.
In Sipplingen wurden wir nach einer kurzen Pause von zwei Mitarbeiterinnen abgeholt und die Führung begann pünktlich um 11 Uhr. Zuerst sahen wir einen Werbefilm des Wasserversorgungswerkes Sipplingen, der uns die Dimensionen aufzeigte, mit denen hier gearbeitet wird, denn pro Sekunde können bis zu 9.000 Liter Wasser aus dem Bodensee hoch zum Werk gefördert werden und der auch die einzelnen Aufbereitungsschritte des Wassers erklärte. Außerdem erfuhren wir, dass das Wasserversorgungswerk 1954 gegründet wurde, dass mit dem Bodensee-Wasser 4 Millionen Menschen vom Bodensee bis in den Raum Ludwigsburg versorgt werden und dass die Stromrechnung des Werkes monatlich um die 1 Million Euro beträgt. Nach dem Film wurde uns der erste Aufbereitungsschritt erklärt, die Mikrosiebung. Da das Bodenseewasser schon von Natur aus äußerst rein ist, müssen bei der Aufbereitung nur noch organische Bestandteile wie Algen oder Schweb- und Trübstoffe entfernt werden. Wie der Name schon sagt, wird bei der Mikrosiebung das Wasser, das aus 60m Tiefe dem Bodensee entnommen wird, durch Mikrosiebe geleitet, die alle Partikel über 15 Mikrometer zurückhalten (was 1,5 hundertstel Millimeter entspricht, um die Feinheit der Siebe zu verdeutlichen). Danach wird dem Wasser Ozon zugeführt, was ein sehr wirkungsvolles Desinfektionsmittel ist, um das Wasser zu entkeimen. Die hier übrig bleibenden Stoffe werden im dritten und letzten Aufbereitungsschritt durch sogenannte Sandschnellfilter geschleust, wo die restlichen Trübstoffe von den verschiedenen Sandschichten abgefangen werden. So eine Sandschicht ist etwa einen Meter dick. Doch von der Aufbereitung bis zum Wasserhahn ist das Wasser noch lange unterwegs, deshalb wird in der Chlorung ein geringer Anteil an Chlor in das Wasser gegeben, um es vor mikrobiologischen Beeinträchtigungen unterwegs zu schützen. Damit die Wirkung nicht verloren geht, wird an verschiedenen Stellen der Hauptleitungen in Baden-Württemberg nach gechlort. Das Besondere am Wasserversorgungswerk Sipplingen ist zum Einen, dass dem Bodensee nur 1 Prozent der Wassermenge, die dem See von anderen Flüssen zufließt, entnommen wird. Aufgrund internationaler Vereinbarungen darf die Bodensee-Wasserversorgung täglich höchstens 670.000 Kubikmeter Wasser pumpen, aber diese Grenze wurde bis jetzt bei weitem noch nicht erreicht, womit man sagen kann, dass Wasser im Überfluss vorhanden ist. Zum Anderen liegt das Wasserversorgungswerk oben auf dem Berg und ist so konstruiert, dass jeder weitere Aufbereitungsschritt ein Stück unter dem vorher Gehenden liegt. Nach einem ähnlichen Verfahren sind die insgesamt 1.700km langen Hauptleitungen zu den Städten und Gemeinden gelegt, sodass das Wasser einen Großteil der Strecke im natürlichen Gefälle zurücklegt und nur selten von energiefressenden Pumpwerken gefördert werden muss. Nach anderthalb Stunden voller neuer Informationen und interessanten Erfahrungen zum Thema Wasser bekam dann jeder noch ein Glas voll frisches Bodensee-Wasser zu trinken.
Nach der Führung fuhren wir eine weitere Stunde nach Konstanz, wo wir bei herrlichem Wetter die Konstanzer Sehenswürdigkeiten in einer kurzen Stadtführung betrachteten und hinterher auf eigene Faust Konstanz erkundeten, entweder in Form von Shopping, essen gehen oder durch die Altstadt bummeln. Als wir abends kaputt, aber zufrieden wieder in Brackenheim ankamen, ging jeder in der Gewissheit eines informativ verbachten Tages und die beiden Organisatorinnen in der Gewissheit einer sehr guten GFS-Note nach Hause.
J2, Elena Gerhäusser
