Wirtschaftskurs gewinnt Schokolade-Chef

Andreas Ronken von Ritter Sport stellt sein Unternehmen vor und gibt praktische Bewerbungstipps

Lina Häffner aus der Jahrgangsstufe 1 ist begeistert. Der „Chef“, den der Wirtschaftskurs von Gabriela Globisch-Ullmann bei der „Handelsblatt“-Aktion „gewonnen“ hat, entspricht so gar nicht ihrer Vorstellung von einem Manager. „Er hat so eine offene Art, ist bodenständig und hat uns viel fürs Leben mitgegeben.“ Und Romy Ehret ergänzt: „Er ging sehr auf die Schüler ein und sieht gar nicht wie ein richtiger Boss aus. Er hat zugehört und wir hatten keine Angst zu fragen.“
Der „Chef“ ist Andreas Ronken, leger im schwarzen Rollkragenpulli, Vorsitzender der Geschäftsführung der Alfred Ritter GmbH und Co.KG, der in einem von Ulrike Heitze vom „Handelsblatt“  moderierten Gespräch viele Fragen der bestens vorbereiteten, motivierten Schüler beantwortet.
Lisa Hug und Silas Lang interessiert der Kakaoanbau in Nicaragua, und sie möchten wissen, wie sich die Plantagen der Schokoladenfabrik von anderen unterscheiden – ein Thema, das für Ronken von großer Bedeutung ist. Zum ersten Mal stammen 30 Prozent des verarbeiteten, nachhaltig angebauten Kakaos aus eigenen Plantagen. Ziel sind 100 Prozent. Und was dazugekauft wird, stammt ebenfalls aus nachhaltigem Anbau. Man geht aber in der Firma noch weiter. „Besuchbarkeit“ heißt das neue Schlagwort. Bei Besuchen vor Ort kümmert man sich um die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Plantagenarbeiter.
Die Produktion und die Ideen zu den quadratisch-praktisch-gut-Tafeln sind für Hannes Tiede von Interesse. Der Schüler ist überrascht, dass der Ideenfindungsprozess am längsten dauert, bis zu einem Jahr – und dass dennoch 60 bis 80 Prozent der neuen Sorten floppen. Das Werk orientiert sich stark an Kundenwünschen und unterhält daher zum Beispiel Plattformen in sozialen Medien.
Wichtig für die Schüler, die nächstes Jahr ihr Abitur machen und dann in die Ausbildung oder zum Studium gehen, ist natürlich auch das Ausbildungsangebot bei Ritter, das  Ronken ausführlich schildert. Neben den „Schokolademachern“, deren Ausbildung weit über das rein Fachliche hinausgeht, braucht das  Unternehmen Techniker, Kaufleute und hat bisher die besten Erfahrungen mit Absolventen Dualer Hochschulen gemacht.
Und was hält der „Chef“ davon, zuerst eine Lehre zu machen und danach zu studieren? „Das ist absolut okay, es gibt da keine Richtig und kein Falsch.“ Schließlich gebe es viele persönliche Gründe für solche Entscheidungen. Auch ein soziales Jahr findet er gut. „Das Wichtigste: Man lernt was!“
Seine Ratschläge für erfolgreiche Bewerbungen mögen manchen Schüler verwundern. „Nur nicht so ein glatter Lebenslauf!“ Und er rät, einfach mal anders, mal „frech“ zu sein und hartnäckig zu bleiben: „Dann erreicht man auch was.“ Wenig erfolgversprechend findet er die Standardlebensläufe, bei denen nur die Adresse ausgetauscht wird und die dann zigfach verschickt werden.
Am Ende erhalten die von der Veranstaltung inspirierten Schüler außer vielen bunten Täfelchen eine Urkunde, die sich in einer späteren Bewerbung gut macht – nicht zuletzt bei der traditionsreichen Weltmarke in Waldenbuch.  el