Vortrag Hauptkommissar Dieter Ackermann

Phishing, wireless hacking, snuff videos und Co.
Viele Gefahren lauern im WWW auf die „kids online“ 

Hauptkommissar Dieter Ackermann vom Jugenddezernat der Kriminalpolizei Heilbronn weiß, wovon er spricht. Sein Arbeitsgebiet, über das er im vollbesetzten Mehrzweckraum des Brackenheimer Zabergäu-Gymnasiums berichtet, sind die vielfältigen Gefahren, die auf die „kids online“ auf Millionen kaum oder gar nicht zu kontrollierender Webseiten lauern. Und wovor der Experte in Sachen Internet sehr unterhaltsam und anschaulich warnt – wobei er bewusst nur die Spitzen unendlich vieler Eisberge ankratzt –, übertrifft wohl bei den meisten gebannt Zuhörenden die Befürchtungen. Vieles geht „an die Nieren“, wie Schulleiter Wolfgang Frey am Ende zusammenfasst. So viel komprimierte Brutalität auf den Bildschirmen im Kinderzimmer oder auf Handys ist bestürzend, macht zuerst einmal rat- und hilflos.

Das Internet: eine grandiose Erfindung, ohne die das moderne Leben unvorstellbar ist, die die Arbeit erleichtert, die Kommunikation vereinfacht und als schier unerschöpfliche Quelle geballten Wissens dient.

Aber es gibt auch die dunkle Seite: Dank leichter, anonymer Handhabung eignet es sich als hervorragende Plattform für Brutalitäten, kriminelle Handlungen oder sexuelle Perversionen und birgt daher für Kinder und Jugendliche früher kaum gekannte Gefahren.

Fast wöchentlich kommt es im Stadt- und Landkreis Heilbronn zu Untersuchungen von Kinder-Pornos. „Normale Pornographie“, wie sie früher verschämt unterm Ladentisch gehandelt wurde, ist heute nicht mehr gefragt. Hardcore Pornos werden verlangt und geboten, die bei Jugendlichen völlig verschobene Vorstellungen von Sexualität bewirken und zu ungeahnten Sexualdelikten Minderjähriger führen. „Snuff videos“, Gewalttaten jegleicher Art auf Handys, grassieren bereits in Grundschulen.

Mädchen sind vor allem in Chatrooms gefährdet. Aus der Suche nach einem gleichaltrigen Flirtpartner werden schnell im harmlosesten Fall Sexspielchen – und keineswegs alle Mädchen offenbaren sich Eltern oder Freunden, die vielleicht helfend eingreifen könnten.

Killerspiele, die Verbreitung rechtsradikaler Meinungen und Wertevorstellungen, Drogenhandel, Tauschbörsen für alles und jeden, second life…. Die Mehrzahl derer, die damit in Kontakt kommen, nimmt kaum Schaden. Aber es gibt die psychisch labilen Jugendlichen, die durchaus Veränderungen erfahren und sich und andere gefährden. Und leider gibt es auch Eltern, die verantwortungslos ihren Kindern Zugang zu Pornos oder Gewaltvideos verschaffen und nicht ahnen, welchen Schaden sie an einer Kinderseele anrichten.

Web-Logs, LAN-Partys, Handys…. Soll man versuchen, alles zu verbieten? Sicher nicht. Das ist auch nicht möglich. Aber Eltern sollten kontrollieren, wissen, auf welchen Webseiten sich ihre Kinder bewegen, für Absicherungen des eigenen Netzes sorgen, selbst die Jugendschutzgesetze achten und die Kinder moralisch stärken. Abwägen zwischen bagatellisieren und dramatisieren. Alles abschalten kann man nicht, aber „Frühwarnsysteme“ aufbauen, sich selber in entsprechenden Aufklärungskursen kundig machen – und im Zweifelsfall auch die Polizei einschalten.

Hier können sich Eltern und Jugendliche Hilfe und Informationen holen:

www.zappen-klicken-surfen.de

www.sicher-im-netz.de

www.klicksafe.de

Danke an die Organisatoren Gabriela Globisch, Martina Reese und TelemAKS (OSA Stuttgart)
(el)