Politikunterricht in der Schule: Selbst für interessierte Schüler bleibt der behandelte Stoff meist graue Theorie. Lassen sich vergangene politische Ereignisse denn überhaupt erfahrbar machen?
Martina Wrieden-Rupprecht, Kunsterzieherin am Zabergäu-Gymnasium, und Susanne Blach, Leiterin des Brackenheimer Theodor-Heuss-Museums, kommt ein Datum zu Hilfe: der 13.August 1961, 50.Jahrestag des Mauerbaus. Die Erwachsenen, die zur Eröffnung der Kunstinstallation „Die Mauer“ ins Museum kommen, haben die Auseinanderentwicklung der beiden deutschen Staaten erlebt, vielleicht selbst schmerzlich erfahren. Wie bringt man dies aber den Jugendlichen heute, fast 22 Jahre nach dem Fall der Mauer, nahe?
Bauen wir die Mauer doch einfach noch einmal auf! Die beteiligten Schüler der Jahrgangsstufe 1, zur Vernissage adrett im 50er-Jahre-Look gekleidet, errichten quer durch den Raum im Dachgeschoss eine Mauer aus Kartons und Stacheldraht, mit Nischen auf beiden Seiten für Gegenstände aus Ost und West. Judith Daniel stellt schnell fest, dass die Kommunikation schwierig wird. Man sieht sich auch nicht mehr. Geschichte wird erfahrbar. Pascal Gerhäusser spürt die veränderte Atmosphäre des Raums.
Doch die Mauer ist nicht alles. In Vitrinen und Koffern – Letztere sollen an die Flucht vieler DDR-Bürger erinnern – sind persönliche, oft hoch emotional besetzte Gegenstände aus den 50er und 60er Jahren ausgestellt, die viele Brackenheimer Bürger zur Verfügung gestellt haben. Für die Schüler hat sich dadurch ein neuer Blick auf die DDR eröffnet: Ist die Behandlung der Mauer im Unterricht in erster Linie assoziiert mit „Tragik“ und „Trauerstaat“, so wissen sie nun, dass es drüben auch ein normales, fröhliches Alltagsleben gab. Die Bücher, Kleider, Spielzeuge legen davon ein beredtes Zeugnis ab.
Das macht die Toten an der Mauer nicht vergessen. Zeitungsartikel und Bilder an den Wänden dokumentieren die dramatischen Ereignisse.
Wer sich diese äußerst gelungene Ausstellung ansehen möchte, hat dazu bis Mitte September Gelegenheit. Danach wird die Mauer in einer Finissage demontiert. (el)
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |