HN-Stimme vom 25.6.2009
Proben zum „Sommernachtstraum“ waren die schönsten
„Die Physiker": Mit einem Stück von Friedrich Dürrenmatt schließt Welf Schoch die Theaterarbeit am Zabergäu-Gymnasium ab.Foto: Ulrike Maushake
Von Ulrike Maushake
Brackenheim - Schon einmal führte die Theater-AG des Zabergäu-Gymnasiums ihr Publikum in eine abgeschlossene, kleine Welt, die einem Irrenhaus glich: „Pension Schöller“. Unvergessen, die bezaubernde Inszenierung aus dem Jahre 2006. Mit der Komödie „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt rückt Welf Schoch mit seiner Truppe dem ganz normalen Wahnsinn noch einmal zu Leibe. Als eine Mausefalle für das Publikum, beschrieb Dürrenmatt sein Stück; diese Mausefalle wird die Theater-AG am 10. und am 12. Juli im Brackenheimer Bürgerzentrum lustvoll zuschnappen lassen.
Feinplanung Wie immer sind die letzten Tage vor der Aufführung geprägt von intensiver Probenarbeit, logistischer Feinplanung, steigendem Lampenfieber. Dieses Mal aber mischt sich der Aufregung auch ein Hauch von Traurigkeit bei. Es ist die letzte Aufführung unter der Regie von Welf Schoch; mit dem Ende des Schuljahres geht er in den Ruhestand. Und eigentlich kann und will sich niemand die Theater-AG ohne ihn vorstellen.
Der Lehrer für Deutsch und Sport, der 1973 zum Zabergäu-Gymnasium gekommen war, hatte 1980 die Theater-AG ins Leben gerufen; ein Wunsch, den Schüler an ihn herangetragen hatten. „Ich habe das als Aufruf empfunden“, sagt er.
In der alten Stadthalle fing es an, der Kreis der Darsteller war ebenso begrenzt, wie das Equipment. „Wir hatten nur einen Scheinwerfer.“ Mit der Inszenierung „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ von Bertold Brecht begann die Erfolgsgeschichte der Theater-AG, die sich mit absurden Stücken langsam von allzu strenger Gesellschaftskritik befreite, die Komödie wagte und schließlich, kühn, das Musical aufgriff: „Candy can die“ von Siegfried Liebl, Lehrerkollege und genialer Musiker. Schulorchester und -chor wurden einbezogen, das Theaterspiel, am ZGB zunächst als Obsession elitärer Spinner betrachtet, griff als Fieber um sich, das sich mit dem Umzug des Spielorts in die neue Stadthalle zum Flächenbrand ausweitete.
Inspiriert Aufführungen, an denen sich hundert Schüler und mehr beteiligten, inspiriert und begeistert unterstützt von der Kunstlehrerin Sybille Proksch, der Choreographin Inge Schön. Siegfried Liebl stellte sich der Musiklehrer Daniel Strasser zur Seite. Unter der Leitung von Welf Schoch erarbeiteten sie mit den Schülern Inszenierungen auf geradezu professionellem Niveau, von den Zuschauern mit stürmischem Applaus gewürdigt. „Jedes Stück hatte seine eigenen Qualitäten“, sagt Welf Schoch. Jedes Stück birgt auch seine eigenen Erinnerungen: Besondere Momente der Begegnungen, lebhafte Diskussionen, harte Arbeit, persönliche Entwicklung, Wachstum, Verbundenheit. Zu sehen, wie sich die Schüler veränderten, in der AG. Mutiger wurden sie, selbstbewusster, freier.
Unter der Führung von Welf Schoch entwickelte sich das Theaterspiel zu einem Alleinstellungsmerkmal des Zabergäugymnasiums, das damit eine ganz eigene Antwort auf Pisa formuliert und Schüler, Lehrer, Eltern in besonderer Weise mit der Schule verbindet.
„Die Physiker“, eine Komödie von Friedrich Dürrenmatt, inszeniert von der Theater-AG des Zabergäu-Gymnasiums, wird am Freitag, 10. Juli, und am Sonntag, 12. Juli, im Bürgerzentrum Brackenheim aufgeführt. Beginn ist um 19.30 Uhr. Die Karten kosten zehn Euro, ermäßigt fünf Euro. Der Vorverkauf läuft ab sofort im Sekretariat des Gymnasiums und im Reisebüro Deigner in Brackenheim sowie in der Buchhandlung Martina Taube in Güglingen.
