Die Physiker - Abschluss für Welf Schoch

HN-Stimme vom 14.7.2009

Drei Männer, eingebildete oder tatsächliche Physiker, ermorden je eine Krankenschwester, dann nimmt die komplizierte Geschichte ihren Lauf.Foto: Ulrike Maushake

 

Reife Leistung trotz schwerer Kost

Von Ulrike Maushake          

Brackenheim - Drei Männer, eingebildete oder tatsächliche Physiker, ermorden je eine Krankenschwester, woraufhin sich die alte Villa, in der sie verwahrt werden, eine Abteilung eines Sanatorium für Geisteskranke, in eine Art Hochsicherheitstrakt verwandelt. Das nun männliche Sicherheitspersonal, ausgestattet mit bellender Kommandostimme und Schlagstock, bewacht fortan nicht nur die drei Insassen. Es wird auch dafür sorgen, dass die bucklige Anstaltsleiterin Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd ungestört in die Welt tragen und zu Geld machen kann, was der Physiker Möbius so sorgsam in der Anstalt zu verbergen suchte: Seine Erfindung, die die weitere Existenz der Erde und der Menschheit gefährdet.

Schutzhaft Ein Mann, der mordet, um nicht zum Mörder zu werden, eine zunächst freiwillige, erschwindelte Schutzhaft, die sich in endgültigen, lebenslangen Strafvollzug verwandelt, eine Anstaltsleiterin als die einzige tatsächlich Wahnsinnige: zahlreich, die paradoxen, grotesken und tragik-komischen Elemente des Zweiakters von Friedrich Dürrenmatt. Urkomisch und tieftraurig, das Stück, das vielschichtig und komplex, viele Fragen aufwirft, nicht nur nach Ethik, Freiheit und Gefahr der Wissenschaft. In den nahezu 50 Jahren seit seiner Uraufführung, hat es nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

Die Gravitationstheorie ist eines der Themen Möbius'. Mit der Schwerkraft scheinen sich auch die Theatermenschen des Zabergäu-Gymnasiums auseinander gesetzt zu haben, beziehungsweise damit, wie man diese überwindet. Mit erstaunlicher Leichtigkeit gelang ihnen ihre Inszenierung. Mühelos und natürlich gestalteten sie die oftmals inhaltsschweren Dialoge und Monologe. Rund 50 Schüler und Lehrer waren an der Organisation, Gestaltung und Aufführung beteiligt, haben viel Liebe, Können und Zeit eingesetzt. Die Hauptrolle wurde von Anna-Lena Michel ausgeführt. Großartig, wie sie die Anstaltsleiterin mimte, die hinter einer Fassade ärztlich-menschlicher Fürsorge Despotismus und Größenwahn verbirgt. Mit munterer Schlitzohrigkeit war Marius Blatt auf der Bühne unterwegs, als vermeintlicher Einstein und Geheimdienstmann, wie der vermeintliche Isaak Newton, dargestellt von Lukas Penka. Carsten Engel spielte den tragischen Möbius, der seine Freiheit vergeblich opfert.

Abschied Der in den Figuren angelegte Wechsel zwischen passiver Weltentrücktheit und aktivem Gestaltungswillen gelang vorzüglich. Dazu ein Bühnenbild, so schräg wie das Stück. Und ob Wandgemälde, Servierwagen oder die Schutzanzüge der Spurensicherung: die Ausstattung war stimmig bis ins Detail. Auffällig auch, wie gut das Ensemble mit dem Bühnenraum umging, ihn nutzte, belebte, bespielte. Stürmischer Applaus würdigte die Leistung der Laiendarsteller und besonders Welf Schoch, der 30 Jahre die Theater-AG leitete, und der sich mit dieser Inszenierung verabschiedet.