Was machen chinesische Gartenzwerge bei den Müllers?
Amüsante Farce über Klischees und Vorurteile
„Vorurteile sind die Hauptursache für Friedlosigkeiten!“ Mit dieser Kampfansage beginnt die aufmüpfige Melanie eine der vielen Diskussionen in der deutschen Durchschnittsfamilie Müller. Doch auch Spannungen von außen lassen nicht lange auf sich warten. Ein chinesisches Filmteam unter der Leitung von Dr.La Gu Feng (Felix Grabscheit) bringt das Familienleben ganz schön durcheinander. Die Chinesen sollen erfahren, wie DIE deutsche Familie lebt. Die Einrichtung im Hause Müller entspricht dem Klischee: Kuckucksuhr, Hirschgeweih, Blumentapete, außerdem Vater, Mutter, Tochter, Sohn, ein Auto. Doch was ist mit dem Rest? Geraten die Klischees ins Wanken? Kein Dirndl, keine Lederhose, keine altgermanischen Vornamen, keine Volkslieder, KEINE GARTENZWERGE? Das wäre doch gelacht! Nicht bei Dr.La Gu Feng. Er hat sein Deutschlandbild, und das sollen seine Landsleute sehen; alle nötigen Utensilien, um den überrumpelten Müllers nachzuhelfen, hat er dabei.
Die Zuschauer erleben in dieser durchaus tiefgründigen Farce über Vorurteile herrlichen Wortwitz, Situationskomik, Verwicklungen und tolle Schauspieler. Felix Grabscheit geht in der Rolle des schlagfertigen Chinesen auf, wechselt geschickt zwischen den Ansagen vor der Kamera und den Anweisungen, die er seinem Team und den Müllers gibt. Seine perfekte r-lose Sprache im Land der „Dichtel und Denkel“ erhöht den Unterhaltungswert, und wenn er mit seinen Leuten Chinesich spricht, klingt es geradezu authentisch. Aber auch Julia Buyer als überforderte Mutter, die nur „3 Chinesen mit dem Kontrabass“ kennt und das Publikum zum Mitsingen animiert, und Vater Gottfried (Peter Seyb), der sich zum Pseudo-Bayern maskieren lässt, spielen ihre Rollen perfekt. Und selbst Nebenrollen sorgen für Lacherfolge: Jan Jerlitschka, der kleine Polizist, der als Double für Gottfried dient, sein Gesicht immer schön vom Bierkrug verdeckt, und die hysterische Nachbarin (Veronika Zipperle) mit Lockenwicklern und Kittelschürze. Einfach herrlich! Eine Aufführung, über die sich Regisseur Rafaël Solian und seine Truppe freuen können. (el)
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