Liebe, Leid und Lachtränen
Wenn Harry Mary heiratet, bleibt kein Whiskyglas voll und kein Auge trocken
Wenn Ihnen in den nächsten Tagen im Zabergäu gut gelaunte Menschen begegnen, die fröhlich vor sich hinsummen und dann noch verstohlen ein „One – two –three – dida!“ hinterherschieben, dann wissen Sie, dass sie am letzten Wochenende im Brackenheimer Bürgerzentrum waren und die Ohrwürmer aus „Hey Harry marry Mary“ einfach nicht mehr weichen wollen.
Markige Sprüche, anrührende Hymnen, flotte Tanzszenen, aber vor allem mitreißende Songs, die an drei Abenden das begeisterte Publikum im ausverkauften Haus zu Klatschorgien animieren: Die vielen künstlerischen AGs des Zabergäu-Gymnasiums ziehen zum Schuljahrsende wieder einmal alle Register ihres Könnens und bieten knappe zwei Stunden lang einen perfekten Bühnenzauber.
Das Musical „Hey Harry marry Mary“ ist schon über 30 Jahre alt und stammt aus der Feder des „hauseigenen Kreativgenies“ (O-Ton B.Gärttner) Siegfried Liebl.
Irland während des ersten Weltkrieges: Im Pub „Old Patrick“ in Wicklow gedenken die männlichen Dorfbewohner ihres Freundes George Kennedy. Whisky und Tränen fließen reichlich, doch die „Familienfeier“ wird von dem englischen Sergeanten Hillary (Yannic Fritz), der allerdings in einer Whisky-Wette unter den Tisch getrunken wird, gestört. Harry (Philip Reese/Grégoire Rumm) lässt sich von der Fröhlichkeit seiner Freunde nicht anstecken. In einem rasanten Solo, das kaum eine musikalische Schikane auslässt, entlädt sich seine Wut, denn seine angebetete Minnie tanzt lieber im Casino mit den englischen Offizieren. Irlands „weltbester Heiratsvermittler“ Edgar (Michael Kühne/Matthias Trumpp) hat zum Glück eine Heiratskandidatin in petto: Mary (Johanna Plehn/Anica Wurmbrand), die sich vom verlachten Bauernmädchen in einen wunderschönen irischen Schwan verwandelt, und die arrangierte „Not-Hochzeit“ endet nach vielen amüsanten Umwegen in der Frage aller Fragen, im bezaubernden Liebes-Duett „Sag, liebst du mich?“.
Über 100 Mitwirkende haben fast ein Jahr lang Singen, Spielen und Tanzen geprobt, die Kulisse kunstfertig und mit Liebe zum Detail gestaltet und das vergnügliche Musical zu einem weiteren Highlight der legendären Aufführungen der Schule gemacht. Im Mittelpunkt steht natürlich die abwechslungsreiche Musik. Ob Rumba-Rhythmen, eine zu Herzen gehende Irland-Hymne, Shanty, Hillbilly oder Schunkelmusik: Die Brackenheimer Philharmoniker unter der Leitung von Daniel Strasser und verstärkt von den Gastmusikern Hans-Jörg Döbele, Andreas Scheer und Uwe Kleber passen sich jedem Stilwechsel mühelos an und reißen das Publikum mit den schwungvollen Melodien mit.
Genauso mitreißend sind die Darbietungen der jungen Stars auf der Bühne, unterstützt von einigen Lehrern und Eltern. Die Hauptrollen sind an den drei Abenden doppelt besetzt in unterschiedlichen Kombinationen, und so ist Mary einmal eher zupackend (Anica), am nächsten Abend eher zaghaft (Johanna), doch beide sind phantastische Sängerinnen, für die die Schulbühne schon fast zu klein ist. Stargeiger und Abiturient Grégoire Rumm überrascht mit seiner ersten Gesangsrolle als Harry, gemeinsam mit Philip Reese, ebenfalls Abiturient, der sein musikalisches Talent erst spät entdeckt hat. Ihre romantischen Liebeslieder wirken authentisch – und sie sind perfekt.
Zu den absoluten Publikumslieblingen avancieren die beiden ungeliebten Tommies, Sergeant Pickering, der sich mehrmals bis auf seine spektakulären Satinunterhosen seiner Kleider entledigt, und sein Vorgesetzter Hillary Robin Holzwarth), der in einem herrlich affektierten Sprechgesang in reinstem Eton-Oxford-Cambridge-Deutsch über die Welt philosophiert. Robin hat seine Paraderolle als englischer Gentleman bis in die gegelten Haarspitzen verinnerlicht. Miss Minnie (Karina Gauerhof/Ann-Kathrin Eisele) und ihre Casino-Girls bringen frivol-koketten Schwung auf die Bühne. Sie singen, tanzen, schauspielern, wie überhaupt alle auf der Bühne alles machen – in ausgelassener Spielfreude, die sich auf das Publikum überträgt.
Die neue „Theater-Chefin“ am Zabergäu-Gymnasium, Sarah Jenz, hat mit dieser „verrücktesten Liebesgeschichte aller Zeiten“ ihr Debut mit viel Herzblut gegeben. Doch mit einer so großartigen, höchst motivierten und talentierten Gruppe, unterstützt von Kollegen und „Altmeister“ Welf Schoch, musste der Einstieg einfach klappen.
One – two – three – dida! Großartiger kann Schultheater nicht sein. Darin sind sich die vielen hundert Gäste wieder einmal einig!(el)










































