Eine Fülle origineller Einfälle

Birgit Riecker, Heilbronner Stimme vom 19.07.2011

Brackenheim Drei Mal ist das Bürgerzentrum ausverkauft. Dreimal ernten die Akteure des Zabergäu-Gymnasiums Begeisterungsstürme am Ende der Vorführung. Das Musical „Hey Harry, marry Mary“, das Musiklehrer Siegfried Liebl bereits während seiner Referendarzeit 1974 komponiert hat, übertrifft am Wochenende alle Erwartungen.

Und die waren schon sehr hoch. Denn die Aufführungen der Theater-AG, der Chor- und Orchester-AG sowie der Bühnenbild-AG lassen immer aufhorchen. Sarah Jenz, die als Leiterin der Theater-AG erstmals das Riesenprojekt gemanagt hat, weiß um die Arbeit, die dahinter steckt. „Wir proben schon das ganze Schuljahr, die letzte Woche von morgens bis abends“, erzählt sie in der Pause. „Jetzt sind manche kurz vor dem Abheben“, sagt sie lachend.

Spritzig Doch davon merkt das Publikum nichts. Auf amüsante, spritzige Weise wird es nach Irland entführt. Dort trifft es im Jahr 1916 Edgar, den großmäuligen Heiratsvermittler, Harry, den unglücklich Verliebten sowie Minnie, die mit Oberst Hillary von den ungeliebten Briten flirtet. Und schließlich auch Mary, die von der großen Liebe träumt, während sie tagtäglich auf dem Feld arbeitet und für Bruder und Vater den Haushalt führen muss.

Den Traum von der guten alten Zeit, als Irland ein stolzes Land war, zelebrieren die patriotischen Gäste in der „Old Patrick‘s“-Kneipe voller Inbrunst: Sie singen die alte irische Nationalhymne und legen den englischen Sergeanten Pickering beim Whisky-Wetttrinken herein. Die Zuschauer kommen voll auf ihre Kosten, erleben eine kurzweilige Aufführung, die weit über das normale Maß einer Schülerleistung hinausgeht: Das Bühnenbild ist originell, die Kostüme passen bestens, die Szenen stecken voller guter Einfälle.

Elegant Bei den Schauspielern sitzt jede kleine Bewegung, sie spielen als würden sie nie etwas anderes tun. Und dabei singen sie ausgezeichnet und tanzen elegant. Herausragend dabei die Gesangsleistung von Anica Wurmbrand, die am Sonntagabend die Rolle der Mary verkörpert. „Alle Schauspieler hatten auch Stimmbildung“, erläutert Sarah Jenz. „Doch Anica hat seit Jahren Gesangsunterricht.“ Im Duett mit Philip Reese, der die Rolle des Harry spielt, steckt viel Gefühl und Können. Die Untermalung durch das Orchester unter Leitung von Daniel Strasser passt perfekt.

Und auch die wichtige Zutat zum Erfolg, der Humor, fehlt nicht. Als die beiden Liebenden ihre Hochzeitsgäste bei einer Schlägerei verlieren und sich fragen: „Was tun wir nun?“, ist die Antwort herrlich: „Wir gehen in die Flitterwochen.“

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Im Casino der englischen
Armee herrschen lockere Sitten: Stimmlich und tänzerisch überzeugten die Akteure. Foto: Birgit Riecker