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Zeugnisübergabe

Der triumphale Einzug zu mitreißender Musik und unter heftigem Applaus fehlt zwar, aber die diesjährige Location für den Abi-Ball – der nicht wirklich einer ist – hat durchaus ihren Reiz. Lange war gar nicht sicher, ob überhaupt alle 68 Abiturienten – 37 Mädchen und 31 Jungen – gemeinsam mit Eltern respektive Angehörigen zu einer stilvollen Überreichung der Abiturzeugnisse würden kommen können.
Doch Petrus meint es gut mit diesem Abi-Jahrgang, der auf seinen Abi-Scherz verzichten musste und unter außergewöhnlichen Umständen die Prüfungen absolvierte. Und so füllt sich nach und nach am wohltemperierten Dienstagabend vor den Sommerferien unter Beachtung aller Hygienemaßnahmen der abgesperrte Schulhof mit Festgästen.
Die Abiturienten bieten wie gewohnt einen bezaubernden Anblick, viele junge Damen in Abendrobe und High Heels, die jungen Männer im schicken, schmalen Anzug und strahlend weißen Sneakers. Das Technikteam der Klasse 9 sorgt für eine passende musikalische Umrahmung.
Damit coronatechnisch an dem Abend auch wirklich alles klappt, werden die Gäste zu Beginn  in einem kleinen Sketch noch einmal ausführlichst belehrt. Dazu haben sich einige Abiturientinnen nicht nur einen Mund-Nasen-Schutz aufgesetzt, sondern sich so von Kopf bis zu Fuß verhüllt, dass selbst der vorwitzigste Virus keine Chance hat. Auch Rednerpult und Mikrofon sind in hygienisch einwandfreiem Zustand – dafür sorgt einen Abend lang Niels Hübscher als „Putzfee.“
Die Leistungen sind durch die besonderen Umstände nicht beeinträchtigt worden, alle Abiturienten haben bestanden. Und so darf Schulleiter Michael Kugel diesem „very special“, ja geradezu „historischen Jahrgang“, wie er sagt, neben den Zeugnissen 16 Preise und 12 Belobigungen überreichen, dazu Preise für die besten Leistungen in den einzelnen Fächern. 
Mit 200 Euro am höchsten dotiert  ist der Preis des Fördervereins der Schule, den der Vorsitzende Lars Buchner an den Abiturienten mit dem besten Notenschnitt vergibt. In diesem Jahr ist es Julian Schönau mit dem tollen Schnitt von 1,1.
Die Überreichung der Zeugnisse dürfte wohl ziemlich einmalig sein. Ein Roboterarm der Firma Schunk, Kooperationspartner der Schule, nimmt das Zeugnis vom Schulleiter entgegen und übergibt es nach nicht vorhersehbaren Drehungen und Wendungen den Abiturienten. Fast könnte man dem Arm unterstellen, dass er dabei mit den Abiturienten seinen Schabernack treibt.
Musikalische Einlagen virtuoser Abiturientinnen, unterstützt von Daniel Strasser und Schlagzeuger Manuel Mayer, lockern die Vergabe immer wieder auf. Eine kleine Entschädigung für die in diesem Jahr ausgefallenen kulturellen Veranstaltungen – Musical, Konzert, Theater.
Nach dem Grußwort von Bürgermeister Thomas Csaszar,  nach Geschenken für die Kurslehrer und Rosen für die nun schon „Ehemaligen“ aus Chor und Orchester, Theater- und Tanz-AG hat Scheffelpreisträgerin Leonie Wörner das Wort und beeindruckt mit einer sowohl inhaltlich wie sprachlich beachtenswerten Rede. Anhand des Verlaufs der Schulzeit macht sie sich Gedanken über die „Entwicklung vom Tollpatsch zum (Halb-)Poeten“, über den wenig greifbaren Begriff der Freiheit, Verantwortung und über Ziele, „die sich nur erreichen lassen, wenn man sie hat.“ Geschickt verknüpft sie ihre Gedanken mit dem zweifelhaften Helden aus dem Deutsch-Abi, Hermann Hesses Harry Haller, dem Steppenwolf. 
Märchenhafter ist da das diesjährige Abi-Motto: Alabin – in jeder Flasche steckt ein Genie.
Und zeitweise märchenhaft ist der Himmel über dem Schulhof mit rosa Wolken und leuchtendem Halbmond. Ein schöner Schlusspunkt - als Auftakt für weitere Open Air-Feiern?