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Helena Schock (5c)

Mitten in der Siegfried-Sage

 

Früher dachte ich immer, nur bekannte Personen haben ein spannendes Leben. Popstars oder Wissenschaftler oder so. Nun ja, ich bin kein Popstar, und auch kein Wissenschaftler. Ich bin ein gewöhnliches 12jähriges Mädchen namens Chloe Schneider. Ich habe mittlerweile trotzdem ein spannendes Leben... Am besten beginne ich am Anfang: 

Ich ging gerade zur Schule, und kam an der großen Wiese vorbei, wie immer. Doch diesmal sah ich etwas: Eine hellblaue Blume wuchs mitten auf der Wiese. Ihre Blüten waren wunderschön gezackt, und innen war sie golden. Ich pflückte sie und roch daran. Sie roch nach Schokolade. Auf einmal wurde mir schwarz vor Augen. 

Als ich erwachte, lag ich auf einem Stein am Rande einer Schlucht. Schnell sprang ich auf, wobei mir die besondere Blume in die Schlucht fiel, und ging weit weg vom Abhang. Ich hörte ein Geräusch hinter mir und fuhr herum. Ein Junge in meinem Alter in einer Ritterrüstung stand vor mir. Er hatte seinen Helm in der Hand, und sein kastanienbraunes kurzes Haar stand wild vom Kopf ab. „Hallo, ich bin Siegfried, und du?“, fragte er. Seine Stimme klang unbeschwert. „Chloe“, murmelte ich. 

Siegfried, Siegfried, Siegfried, ... Irgendwoher kannte ich diesen Namen. Es fiel mir wieder ein: Siegfried war der Mann, der im Drachenblut badete, und dadurch unverwundbar wurde. Doch als er noch badete, fiel ein Blatt auf seinen Rücken, und das war dann seine verletzliche Stelle. Irgendwer hatte das verraten und der Feind konnte ihn schließlich dort töten. 

„Komischer Name“, sagte Siegfried und zuckte mit den Schultern. „Was machst du hier?“, fragte er dann. „Muss ich noch rauskriegen“ Ich wollte gerade fragen, warum er im 20 Jahrhundert eine Ritterrüstung trug, als er erzählte: „Ich will einen Drachen fangen“ „‘Nen Drachen?“, fragte ich skeptisch. „Jep, ‘nen Drachen.“ „Wie der Siegfried aus der Sage?“, fragte ich immer noch skeptisch. „Es gibt ne Sage? Stimmt! Sicher werd ich mal zu ‘ner Sage. Aber 1026 gibt´s noch keine.“ 

Ich stutze. „1026? Wir haben das Jahr 1026?“, fragte ich. „Ja. Warum fragst du?“ Ich antwortete nicht. Gerade eben, als ich die Blume gesehen hatte, war 2020 gewesen. Was machte ich im Mittelalter?! 

„Hörst du mich?“, fragte Siegfried. „Du bist der aus der Sage…“, keuchte ich. „Sag ich doch: Sicher werd‘ ich mal zu einer Sage“, meinte Siegfried immer noch total locker. Ich ließ mich auf den Felsboden fallen. „Ich hab eine Zeitreise gemacht!“, hauchte ich. „Echt? Dann werden wir vielleicht beide zu einer Sage!“, freute sich Siegried. „Ich muss die Blume wiederfinden!“, murmelte ich. „Eine Blume?“, fragte Siegfried. „Die ist in die Schlucht gefallen“, erklärte ich und trat langsam an den Abgrund. „Ok. Ich muss jetzt auch los, meinen Drachen fangen. Viel Spaß noch bei deiner Sage!“, rief Siegfried und wandte sich zum Gehen. „Warte!“, rief ich und lief ihm hinterher. „Chloe, ich muss zur Sage werden!“ „Bitte! Wenn du den Drachen gefangen hast, fliegst du mich in die Schlucht, ich hole meine Blume, wir fliegen wieder hoch und schon kannst du den Drachen töten, und der Sage gerecht werden!“ Siegfried überlegte. „Ok... Bin gleich wieder da!“, mit diesen Worten verschwand Siegfried hinter den herumliegenden Felsbrocken. 

Ich setzte mich auf den Stein, auf dem ich auch aufgewacht war. „Wie verrückt ist das denn?! Ich habe eine Zeitreise gemacht, und bin in der Siegfried-Sage gelandet!“ 

Nach einer Viertelstunde hörte ich Siegfried fröhlich pfeifend näher kommen, gefolgt von einem schweren Tapsen. Und da sah ich auch schon Siegfried um die Ecke biegen. Hinter ihm lief ein großer, roter Drache. „Warum gehorcht er dir?“, fragte ich verwundert. Siegfried drehte sich zu seinem Drachen um und sagte extra laut, damit ich es hören konnte: „Da fragt die noch... Ts,ts,ts! Die Jugend von heute!“ Dann wandte er sich wieder mir zu. „Na, ist doch logisch: Ich bin Siegfried!“ Ich nickte langsam und grinste in mich hinein. Siegfried sprang auf den Rücken des schnaubenden Drachens und streckte seine Hand nach mir aus. „Steigt auf, holde Zeitreisende!“, verkündete er mit verstellter Stimme. „Haha!“, brummte ich, musste aber dennoch grinsen. Als wir abhoben, jauchzte ich freudig. Ich war schon mal mit einem Passagierflugzeug geflogen, aber auf dem Rücken eines Drachen zu fliegen, war etwas anderes! Als Siegfried unten landete, sprang ich ab, und entdeckte die Blume. Ich schnappte sie mir und wir flogen wieder nach oben. Während wir nach oben flogen, erzählte Siegfried: „Ich werde im Blut des Drachen baden. Dadurch werde ich unverletzlich!“ 

Als wir wieder landeten, sprang ich ab und sagte zu Siegfried: „Danke! Achte darauf, dass dir beim Baden im Drachenblut kein Blatt zwischen die Schulterblätter fällt. Denn wo das Blut nicht hinkommt, bleibst Du verletzlich!“ Siegfried schaute mich seltsam an, dann verabschiedete er sich und flog auf seinem Drachen davon. 

Ich atmete den Duft der Blume tief ein und mir wurde schwarz vor Augen. 

 

Als ich wieder aufwachte, rannte ich sofort in die Schule. Ich war eine Dreiviertelstunde zu spät. Doch das machte mir nichts. Denn eine Zeitreise war deutlich spannender, als die erste Stunde in der Schule!

In der großen Pause lief ich schnell zur Bibliothek und las die Siegfried-Sage. Siegfried hatte überlebt! Niemand hatte es geschafft ihn zu töten, weshalb er nach einem langen Leben an einem natürlichen Tod gestorben war.

 

Jetzt wisst ihr auch, was in meinem Leben spannend war!