Manchmal wird daraus eine Verbindung fürs Leben

Freundschaftlich familiäre Feier zum 40. Schüleraustausch mit Brackenheim in Charnay-lès-Mâcon

Im „Vieux Temple“ in Charnay-lès-Mâcon herrscht am späten Freitagnachmittag reges Treiben. Vor der Mehrzweckhalle wehen drei Fahnen im Wind: die Trikolore, die Deutschland- und die Europafahne. Französische Schüler haben sich mit ihren Brackenheimer Austauschpartnern, die mit Lehrerin Astrid Neudecker eine Woche in der Partnerstadt verbringen und Land und Leute im Alltag kennenlernen, eingefunden, und die Gasteltern liefern schüssel- und plattenweise Köstlichkeiten ab für die Feier zum 40. Schüleraustausch zwischen dem Zabergäu-Gymnasium und seinen Partnerschulen in Mâcon.
Vierzig Jahre – eine lange Zeit mit unzähligen, überwiegend schönen Erfahrungen. Als 1979 die ersten Brackenheimer Schüler in die Bourgogne fuhren, ohne Handy und WhatsApp, wurden sie von der Französischlehrerin Waltraud Zipperlen begleitet, die sich gern an die vielen Einladungen zum Essen in Familien, an die Wanderung auf den Solutré, allerdings auch an die ersten Froschschenkel erinnert. Eine ungewohnte Delikatesse für die mittlerweile in Frankreich lebende Stuttgarterin. Mit von der Partie war Katharina Layher, die aus Mädchenmangel einen Jungen als Partner zugewiesen bekam. Lebhaft ist der Teekuchen zum Frühstück im Gedächtnis, der in die „bol“, die große Kaffeeschale, getunkt wurde. Spannend und nicht immer ganz einfach waren die Jahre, an die sich auch Jean Marc Paris vom Partnerschaftskomitee erinnert. Es gab Zeiten, in denen man nur für wenige Brackenheimer Schüler einen „corres“, einen Austauschpartner, fand.
Umso erfreulicher ist die Entwicklung der letzten Jahre. In Catherine Cerro, einer engagierten Deutschlehrerin am Collège Bréart, und der Vorsitzenden des Partnerschaftskomitees, Marthe Terrenoire, haben Wolfgang Brunstein  - seit 1994 Organisator des Austauschs in Brackenheim und glücklich über die problemlose Kooperation mit Charnay -  und seine Französischkollegen tatkräftige, ideenreiche Unterstützung gefunden.
An der Feier nehmen außer jetzigen und früheren Begleitern des Austauschs wie Marie-Louise Rampon und Gérard Bouly, Mitgliedern des Partnerschaftskomitees und Bürgermeister Jean-Louis Andrès auch Bürgermeister Rolf Kieser, seit 30 Jahren Charnay eng verbunden, Schulleiter Wolfgang Dietrich, Karl Seither, früherer Vorsitzender des Partnerschaftskomitees, der jetzige Vorsitzende Dieter Buyer sowie am Austausch beteiligte Französischlehrerinnen teil.
In allen Festreden wird das Bekenntnis zur europäischen Freundschaft betont, deren momentane Fragilität den Austausch wichtiger macht, als man sich vor Kurzem vorstellen konnte. Marthe Terrenoire zitiert einen Satz aus Gerhard Schröders Rede zum 40. Jahrestag des Elysée-Vertrags: „Es heißt, […] Nationen könnten nicht miteinander befreundet sein, das könnten eben nur Menschen.“ Da stimmt es hoffnungsfroh, dass sich in diesem Jahr 67 Schüler am Austausch beteiligen, einige zum wiederholten Mal.
Nach der Verleihung eines „Diploms“ an die deutschen Gäste für deren Verdienste um den Austausch gehört der Abend der Unterhaltung mit Zauberei, Fußballjonglage, Musik. Laura Mock, bereits zum vierten Mal in Charnay, überrascht mit einem Geigensolo aus der Oper „Thaïs“ von Jules Massenet. Und natürlich gehören zum Geburtstag auch Torten: an diesem besonderen Abend sahnig-cremige Kunstwerke einer gelungenen konditorischen Zusammenarbeit von Gastfamilie Khatchikyan und Gasttochter Melis.
Am Samstag stehen für die Brackenheimer Delegation noch Kunst,  Kultur und eine Fahrt ins Val Lamartien und nach Cluny auf dem Programm.
Seit dem ersten Austausch hat Annette Haas beste Beziehungen nach Charnay. Ihre „corres“ wurde sogar Patin ihrer Tochter. „Die Grundlagen aus dieser Zeit begleiten mich mein ganzes Leben.“  el

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