Peter Stamms AGNES

Lilly Schuster aus dem Deutschkurs 4 aus der J 2 hat eine sehr gute und ausführliche Rezension zum Film AGNES verfasst. Was den Beitrag zudem für alle Oberstufenschüler lesenswert macht, ist der Bezug zum Roman, der im Abitur eine der drei Pflichtlektüren darstellt.

 

Filmkritik zu Agnes von Lilly Schuster

 

Nach der Lektüre und dem Film im Unterricht begleitet Lilly den Deutschkurs 4 aus der J 1, denen sich die Gelegenheit bot, den Autor Peter Stamm im Heilbronner Theater (25.1.2017) kennenzulernen.

Unten angefügt schreibt Lilly über die Lesung und anschließende Diskussion mit Peter Stamm

 

Allen Oberstufenschüler kann ich Lillys Artikel wärmstens empfehlen.

 

Ein DANKESCHÖN an Lilly!

 

Deine Deutschlehrerin Gabriela Globisch-Ullmann

 

 

Peter Stamm im Theater Heilbronn – 25.1.2017

 

Peter Stamm ist der Autor des Romans „Agnes“, der Pflichtlektüre in der Oberstufe, den jeder Oberstufenschüler vom Namen her kennt. Doch wer steckt hinter diesem Namen, wie kam er auf die Idee, solch ein Buch zu verfassen, woher stammen die Eindrücke des Ich-Erzählers, warum reagiert dieser so, wie er reagiert, und ist Agnes am Ende wirklich tot? Diese und weitere Fragen durfte der Deutschkurs der Jahrgangsstufe 1 von Frau Globisch-Ullmann dem Schriftsteller persönlich, von Angesicht zu Angesicht, während seiner Autorenlesung am Mittwoch, den 25.01.2017 in Heilbronn stellen.

Peter Stamm ist 1956 geboren. Nachdem er als erstes eine kaufmännische Lehre absolviert und temporär als Buchhalter gearbeitet hatte, machte er auf dem zweiten Bildungsweg seine Matura (Abitur). Nach ein paar angefangenen Studiengängen (Anglistik, Psychologie, Psychopathologie), entschied Peter Stamm sich im Jahr 1990, seine Passion, das Schreiben, zu seinem Beruf zu machen. Seitdem arbeitet er als freischaffender Schriftsteller in der Schweiz. Zu seinen Auszeichnungen gehören unter anderem „The Man Booker International Prize" (2013), sowie der „Friedrich-Hölderlin-Preis“ der Stadt Bad Homburg (2014). Peter Stamm ist ein international bekannter Autor. „Agnes“ erschien bereits in verschiedenen Ländern, darunter Israel, Frankreich, Bulgarien, Russland, um nur ein paar davon zu nennen.

Nun jedoch zu der Autorenlesung:    

 

Nach einer kleinen Einführung, in der Peter Stamm kurz vorgestellt wurde, begann auch schon die Autorenlesung. Das Theater hatte die Bühne zu einer Art Wohnzimmerkulisse umfunktioniert. Mit einem großen Bücherregal auf der einen und einem extravaganten Sofa auf der anderen Seite, wodurch eine wohnliche und freundliche Atmosphäre inszeniert wurde, in der man sich sogleich heimisch fühlte. Dieses Gefühl wurde auch durch die lockeren, lustigen, aber auch zum Nachdenken anregenden Ausführungen von Peter Stamm unterstützt. Dieser saß in der Mitte der Bühne, gut sichtbar für alle. Nachdem er ganz authentisch das Buch „Agnes“ aus dem Regal gezogen hatte, las er mit seiner sonoren und angenehmen Stimme das 15 und 16 Kapitel vor. Es war eine wirklich außergewöhnliche Erfahrung zu erleben, wie ein Autor seine Figuren zum Leben erweckt. Der Ich-Erzähler entwickelte plötzlich eine Stimme und schilderte selbst seine Eindrücke, die er gemeinsam mit Agnes in dem Nationalpark erlebte. Viel zu schnell waren die zwei Kapitel gelesen und man wendete sich den Fragen der aufmerksamen Zuhörer zu. Auf die Frage, warum er ausgerechnet diese Stelle ausgewählt habe, antwortete er: „Das hat eigentlich keinen bestimmten Grund. Ich lese die ganz gerne, das ist so eine kleine, abgeschlossene Geschichte, dieser Ausflug.“ Beeindruckend war auch, dass er nicht nur die Fragen beantwortete, sondern auch Bezug auf die davor gestellten Fragen nahm, wenn ihm noch etwas dazu einfiel. So auch, als man Peter Stamm die Frage stellte, was er denn beim Lesen des Buches gefühlt habe, ob es weit entfernt gewesen sei oder nicht. Er meinte dazu, dass er beim Lesen in der Geschichte sei, und dass er sich wohler fühlen würde, wenn es seinen Figuren gut geht, weshalb er auch die Kapitel mit dem Ausflug in den Nationalpark gewählt habe. Ein weiterer Pluspunkt, der für diese Kapitel sprach, war zudem, dass er sich in der Natur wohl fühlen würde. Auch seine Aussage, dass „die Emotionen nicht im Buch drinstehen, sondern, dass Sie (die Leser) die entwickeln, wenn Sie das Buch lesen“ war sehr faszinierend und war auch eine Erklärung dafür, weshalb man in dem Roman keine Gefühlsausbrüche des Ich-Erzählers bzw. von Agnes erlebt.

Auch persönliche Fragen, die Bezug auf seinen Tagesablauf, aber auch auf sein Verdienst nahmen, beantwortete er freundlich und ausführlich.

 

Die Lesung war wirklich schön, unterhaltsam, aber auch informativ. An diesem Abend hatte man die Möglichkeit, viel über Peter Stamm als Person, zu seinem Verhältnis zu den Figuren und generell dem Roman „Agnes“ sowie seiner Einstellung zu Büchern im Allgemeinen zu erfahren.

 

Auch wenn er keinen Basissatz bzw. keine Zusammenfassung des Romans in einem Satz liefern konnte, war es doch sehr hilfreich, die Meinung und Antworten des Autors persönlich zu erfahren. Des Weiteren ist es wirklich bewundernswert, wie offen und bereitwillig Peter Stamm die Fragen des Publikums beantwortete, auch wenn sie manchmal persönlich waren.

Somit war es ein wirklich gelungener Abend, den man in guter Gesellschaft verbringen durfte.   

Lilly Schuster, J1