Schauspiel mal ganz „Anders“ – das ZGB im Theater Heilbronn

 

Am letzten Schultag vor den Pfingstferien verfolgten rund 130 Schülerinnen und Schüler der sechsten und siebenten Klassen des Zabergäu-Gymnasiums Brackenheim unter der Organisation von Frau Globisch-Ullmann und der Aufsicht von Frau Röhl, Herrn Zobel und Herrn Werra im Theater Heilbronn gespannt, wie der elfjährige Felix Winter (Henry Arturo Jiménez) nach einem überstandenen Koma plötzlich ganz anders ist als vorher und sich auch so nennt, nämlich „Anders“. In der vom bekannten Jugendbuchautor Andreas Steinhöfel („Rico, Oskar und die Tieferschatten“) liebevoll sowie vielschichtig gestalteten Welt aus ganz alltäglichen Charakteren gerät nun so einiges aus den Fugen: Anders kann plötzlich die Aura und den Gemütszustand einer Personen erkennen, diagnostiziert Krankheiten und scheint fernab der Realität in seiner eigenen Phantasiewelt zu leben, die niemand zu verstehen weiß – es erreichen ihn weder die überbesorgte Mutter (Giulia Weis), die sich vor sozialer Ächtung fürchtet, oder der Vater (Sascha Kirschberger), der eine zweite Chance auf eine Beziehung zu seinem Sohn ergreifen will, noch die engagierte Klassenlehrerin (Helene Aderhold), die niemals den Glauben an den Jungen verliert. Auch seinen halbstarken Schulhof-Freunden Nisse und Ben ist er plötzlich völlig fremd und jagt ihnen durch seine apathische, unberechenbare Art große Angst ein − hüten die drei doch ein kriminelles Geheimnis, das um keinen Preis der Welt ans Tageslicht geraten darf! Dramaturgin Bianca Sue Henne und Regisseur Sebastian Martin eröffneten dem Publikum die spannende Entwicklung des Protagonisten als Symbol des Erwachsenwerdens und der Andersartigkeit während der Pubertät über junge, äußerst wandelbare Schauspieler in gleich mehreren Rollen, eine unkonventionelle, narrative Figurenrolle (Thomas Fritsche) und ein modern-puristisches, allerdings bemerkenswert funktionales Bühnenbild (Ausstattung: Kaja Bierbrauer). Letztlich entließ die Vorstellung die Schülerinnen und Schüler − aber auch die Erwachsenen − mit vielen Fragen darüber, wer sie selbst eigentlich sind oder sein wollen. In den anschließenden Schulstunden werden nun die erlebten Eindrücke gemeinsam mithilfe von Theater-Methoden spielerisch reflektiert und mit den Inhalten des Stückes sowie der Lebenswelt der Kinder verknüpft. Das Zabergäu-Gymnasium bedankt sich herzlich bei allen Verantwortlichen, dem herausragenden Schauspiel-Ensemble und insbesondere den überaus freundlichen und kompetenten Theater-Pädagoginnen des Theaters Heilbronn für die gelungene Kooperation und das außergewöhnliche Schauspiel-Erlebnis.

 

Maximilian Werra