Die Theater-AG des ZGB präsentiert Joshua Sobols „Ghetto“

17./18. Juli 2015

 

„Hier zu diesem Zeitpunkt! Theaterspielen? Ich finde das schamlos!", ruft der Bibliothekar des Ghettos Kruk (Philipp Link) aus … Ja, denkt man unwillkürlich, da hat er recht!

Die litauischen Hauptstadt Vilnius, damals noch Wilna, war einst das religiöse und literarische Zentrum der jüdischen Kultur Osteuropas, ein „Jerusalem des Ostens“. Im Jahr 1942 aber hatten auch hier die Begriffe von Recht und Unrecht ihre Gültigkeit verloren.

Joshua Sobols  Ghettobewohner sind starke und schwache Menschen, Mörder, Widerstandskämpfer, aber auch Kollaborateure und Profiteure wie der Ghetto-Unternehmer Weiskopf (Fabian Bäzner) – allesamt zwar Opfer, aber dadurch doch nicht automatisch bessere Menschen.

Die zwiespältigste Figur aber ist der Zionist Jakob Gens (Teresa Link/Chiara Lang), Chef der jüdischen Ghettopolizei, der sich nach der Ermordung eines Großteils der litauischen Juden mit dem zynischen und brutalen SS-Führer Hans Kittel (Joshua Stahl) arrangiert. Auf Kittels  Anregung hin beginnen die jüdischen Bewohner des Ghettos eine Theateraufführung einzustudieren, in der Hoffnung dem Konzentrationslager Ponary so lange zu entgehen, bis die sowjetische Armee Wilna und das Ghetto  von der deutschen Schreckensherrschaft befreit. Jakob Gens beugt sich dafür der perfiden Logik des faschistischen Terrorregimes und besudelt seine Hände mit Blut, um möglichst vielen Bewohnern des Ghettos das Leben retten zu können. Für die Zuschauer besonders eindrücklich und grausam war die Szene von der Selektion der Kinder des Ghettos … Aber: Kann es gerechtfertigt sein, einige in den Tod zu schicken, um andere davor zu bewahren? Joshua Sobols „Ghetto“ wirft unbequeme Fragen auf, Fragen, die keine eindeutigen Antworten zulassen und die Zuschauer durch ihre brutale Eindringlichkeit bestürzen. Es gibt aber auch immer wieder tief berührende Momente. Die Sängerin Chaja (Hannah Röbbig/Elisabeth Schmidt) und die Kinder des Ghettos singen mit schmerzlich schönen Arrangements jiddischer Lieder gegen die Verzweiflung im Ghetto an.

„Ghetto“ auf eine (deutsche) Schulbühne zu bringen ist auch 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft über fast ganz Europa ein Wagnis, das bisher nicht viele Schulen auf sich genommen haben. Die Theater-AG des ZGB unter Leitung von Sarah Jenz hat diese Herausforderung bravourös gemeistert und hat mit ihrer ausgesprochen gut gelungenen Inszenierung ein großes Ausrufezeichen gesetzt. Ein ganzes Schuljahr lang hatten die jungen Schauspieler samt ihren Helfern aus der Bühnenbild- und der Technik-AG sowie den Musik-AGs (insgesamt etwa 85 Schülerinnen  und Schüler) auf diesen Höhepunkt des Schuljahres hin gearbeitet. Der große Erfolg an diesem Wochenende ist ihr Lohn für die vielen Mühen!

HERZLICHEN DANK - wir wollen mehr! (Si.)

 

 


Fotos: Hz/Si

 

 

 aus: Heilbronner Stimme, 20.07.2015