Mörder mögen's messerscharf

Unterhaltsames Kriminalstück der Unterstufe mit äußerst lebendigen Toten

„Können Sie mich sehen? Können SIE mich sehen?“ Die Theaterbesucher am letzten Freitag und Samstag in der Mensa, die mit „Ja“ antworten, liegen nicht so ganz richtig. Denn der Fragende, der damit einige Zuschauer persönlich begrüßt, ist ein Geist, zugegeben der recht lebendige Geist des hinterrücks ermordeten Barons Ansgar von Herrschershausen (Luca Grewe), dem selber zu Beginn noch gar nicht so richtig bewusst ist, was ihm Schlimmes widerfahren ist, und dem es eigentlich ganz gut geht, wenn man davon absieht, dass er tot ist.
Bianca Seifert und ihre Unterstufen-Theater-AG haben wieder einmal zu einem unterhaltsamen Krimi – trotz zweier Morde – geladen.
Lukretia von Herrschershausen (freitags Nisa Koral/samstags Magdalena Weber) hat sich auf dem Schloss nur Feinde gemacht. Hochnäsig, intrigant, gierig – „Die Wahl seiner Ehefrau war ein Griff ins Klo“, kommentiert Ansgars Tante Restituta (Anna-Lena Zölch/Hannah Weber) – ist sie das Gegenteil ihres von allen geliebten Mannes, der ihren Plänen im Weg ist. Also muss der total in sie verknallte Verwalter „Didimar“ Knör (Melissa Buttafuoco) den Baron erstechen und im See versenken, wobei er sich jedoch so stümperhaft anstellt, dass Leiche und Mordwaffe leicht aufzuspüren sind. Außerdem haben die Ermittler außergewöhnliche Helfer. Ansgars Geist sowie der Geist des von Lukretia ermordeten Hausmädchens Sophia (Pascale Heinkelein/Franziska Schätzlein) melden sich zu Wort, als die beiden Tanten gemeinsam mit dem Kommissar-Assistenten, der auch noch zufällig Geist heißt (Max Förnzler/Maurice Gehrke), eine Séance abhalten. Beide können sich ansonsten völlig ungestört bewegen und alles in Erfahrung bringen, denn Geister sieht und hört man ja nicht.
Das Stück lebt einmal von der amüsanten Verknüpfung der Vorgänge und von viel Wortwitz. Vor allem die Dialoge der beiden alten Tanten bereiten viel Vergnügen. Da Tante Honoria (Lara Benscheid/Regina Schwenk) schwerhörig ist – wobei es nicht ganz klar ist, ob echt oder nur gespielt, da sie so manches äußerst gut versteht – und zudem etwas schwer von Begriff zu sein scheint, kommt es zu köstlichen Missverständnissen, hervorragend gespielt von Lara als auch von Franziska. Restituta dagegen hat ein sehr un-adeliges loses Mundwerk und macht aus ihrer Abneigung gegenüber Lukretia keinen Hehl. Die ideale Rolle für Anna-Lena! Einen sprachlich anspruchsvollen Part hat Butler Johann (Philipp Treupel/Steven Brauner) – schon allein wegen der mehrmals aufgesagten Menüfolge mit Speisen in klangvollem Französisch. Und natürlich wahrt er bei allem die Contenance und den höflichen Ton – keiner ist so vornehm wie er -, selbst als er jede Menge Cognacreste in sich leert. Keine leichte Aufgabe für einen Unterstufenschüler. Eine geborene Komödiantin ist Luca Grewe, die schon viele Auftritte in Hauptrollen hatte. Ihre klare, kräftige Stimme braucht fast kein Mikrofon. Völlig natürlich bewegt sie sich auf der Bühne – eine ideale Anwärterin auf große Rollen in der Oberstufen-Theater-AG.
Für die erste Besetzung der Freitagsvorstellung hätte man sich mehr Gäste gewünscht, die tolle Gruppe hätte es verdient. Dafür wurde die zweite Besetzung am Samstag mit einem volleren Haus entschädigt. (el)

Freitag, 27.06.14

 

     
     

 Samstag, 28.06.14