Großer Applaus für „Momo“

Gelungene Premiere der Unterstufentheater-AG unter neuer Leitung

 

Vor 40 Jahren kannte jedes Kind Michael Endes Buch. Sabrina Hartmann, die neue Leiterin der Unterstufentheater-AG, konnte während monatelanger Proben und einer intensiven Probenwoche kurz vor der Aufführung über 20 „Jung-Mimen“ für das zeitlose und zugleich zeitkritische Märchen auch heute begeistern und zu großartigen Schauspielern machen.
Das erste Bühnenbild entführt die Zuschauer in der voll besetzten Mensa am letzten Freitag und Samstag in eine italienisch anmutende Landschaft mit den Resten eines Amphitheaters. Meister Hora (Mirjam Uhland), die Zeit an sich, führt mit fester, getragener Stimme in die Problematik ein: Die grauen Herren – und in Brackenheim auch Damen – von der Zeitsparkasse entziehen den Menschen die Zeit für alles, was das Leben lebenswert macht. Doch die Rechnung des Zeitsparens geht nicht auf, auch wenn Markus Busch als der 1. graue Herr dem verwirrten Friseur Fusi (Hannah Klenk) beeindruckende Zahlen serviert. Eine souveräne Gedächtnisleistung von Markus, der mühelos mit Zahlen im Milliardenbereich jongliert! Kinder bekommen von ihren Eltern Geschenke statt Zeit und Liebe, Freunde werden vernachlässigt, die Welt wird kalt und grau. Denn: „Die Zeit ist im Herzen.“
Nur die elternlose Momo hat Zeit. Sie lebt in den Ruinen, erzählt ihren Freunden Geschichten und hört ihnen aufmerksam zu. Auch der Fremdenführer Gigi (Anna-Lena Zölch) erzählt anfangs den Touristen hanebüchene Histörchen -  unterhaltsam, witzig, schwungvoll -, bis er sich den grauen Herren verschreibt und nur noch auf Profit bedacht ist.
Momo kann so intensiv zuhören, dass sie einer grauen Dame (Hannah Weber) ihr Geheimnis entlockt- alle Zeit wird gestohlen und eingefroren -, wodurch beide in Lebensgefahr geraten. Da greift Meister Hora ein, der zur Rettung seine Schildkröte Kassiopeia schickt, die Momo durch die Gefahren begleitet, und mit der letzten Stundenblume gelingt es dem Mädchen, die gestohlene Zeit zu befreien und sie den Menschen zurückzugeben.
Für die noch sehr jungen Schauspieler sind die rund 90 Minuten Spielzeit mit anspruchsvollen Textpassagen und philosophischen Aphorismen eine Herausforderung, die sie mit viel Spielfreude und originellen Einfällen meistern. Die wuschelköpfige Nacara Leckebusch erinnert als Momo an ihre Vorgängerin im Film und strahlt so viel Ruhe aus, dass man ihr das intensive Zuhören und Anteilnehmen abnimmt. Annika Lahme als rosarote „Barbie“-Puppe Bibigirl sorgt mit ihrer unbeweglichen Strahlemiene und heruntergespulten Sätzen für Amüsement, und Lisa Beyl als philosophierender Straßenfeger Beppo, ein Muster an Langsamkeit, lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen.
Phantastische Bühnenbilder, dank Sybille Proksch und der Bühnenbild-AG, einfühlsame Musik während der Szenenwechsel und viel Raum für Kreativität machen den Theaternachmittag zu einem gelungenen Zeit-Geschenk für die Zuschauer.  (el)

 

     
     
     
     
     
     
     
     

Fotos: el