Mobbing Dick
Mobbing kann so musikalisch sein
Es ist eine Eröffnung mit Pauken und Trompeten und allen anderen Instrumenten. Wie es sich für eine Ouvertüre gehört! Abwechslungsreich! Mal anspruchsvoll flott, mal melancholisch. Mit furiosen Schlusstakten
Nach Jahren erlebt das Publikum im vollbesetzten Bürgerzentrum wieder einmal eine Musicalkomödie in zwei Akten aus der Feder des einstigen Musiklehrers am Zabergäu-Gymnasium und begnadeten Vollblutmusikers Siegfried Liebl, wie sie sich FAST im Leben der Schüler beziehungsweise junger Menschen weltweit abspielen könnte.
Der Titel besteht aus einem Wortspiel. Aus dem Romantitel „Mobby Dick“ macht Liebl ein „Mobbing Dick“. Das Gemobbt-werden der unbeliebten Miss Dick.
Mobbing habe es schon immer gegeben, sagt der stellvertretende Schulleiter Andreas Köplin in seiner Begrüßung. Durch die mediale Entwicklung habe es jedoch an Brisanz gewonnen.
Rund 100 Schüler sind beteiligt, viele in Doppelrollen, da man sonst die Zahl auf etwa 130 hätte erhöhen müssen. Man sei solche Aufführungen des ZaGys zwar gewöhnt, so Köplin. Selbstverständlich seien sie jedoch nicht. Man könne nur wertschätzen und bewundern, was alle hier leisten.
Dann gibt er den Startschuss: „Rockt den Laden!“ Wonach es auch gleich zur Sache geht.
„Oh Shit!“ Miss Dick, eine junge, reiche Erbin, der man nichts recht machen kann, betreibt Personalschelte. „Nicht mit mir, meine Damen!“ Worauf die drei Stubenmädchen in Schwarzweiß, mit Häubchen und Staubwedel, zusammenzucken. Etwa kaum eingestellt und schon wieder entlassen? Wie so viele vor ihnen?
Miss Dick, wunderbar von Christina Hammer verkörpert, laut, hysterisch, übelst gelaunt, hat zwar Geburtstag, was sie jedoch nicht milder stimmt. Sie mag die Leute, die sie einlädt, gar nicht. „Politik- und Kulturschmarotzer, die nur auf einen dicken Scheck von mir warten.“ Den von ihrem Vater geerbten George, der auf sie aufpassen soll, bringen solche Zornesausbrüche nicht aus der Ruhe. Simon Kleinschrod, der nach dem Abitur noch einmal als cooler Butler auf die Schulbühne zurückkehrt, mixt zuerst einen Cocktail für „Körper, Geist und Seele“ für Miss Dick und dann einen für sich. Für sein Solo - er singt mal auf Deutsch, mal auf Englisch und wagt sogar Tanzschritte - erhält er donnernden Applaus.
Nach und nach entwickelt sich die Geschichte. Verkleidet als Clown, der sich um todkranke Kinder kümmert, tritt Miss Dicks verflossene große Liebe auf, John (Sarah Holzwarth), mittlerweile ein junger Assistenzarzt, von dem sie sich betrogen glaubt. Sarah legt alle Gefühle in einen emotionalen Song, um Miss Dick umzustimmen: „Wenn du nicht mehr weinen kannst, dann sag's mir!“ Umsonst.
Auf dem Weg zur Geburtstagsparty spaziert Judith (Lil Wasserbäch) durchs Publikum, verwickelt einige amüsierte Zuschauer in kurze Gespräche und trifft sich mit der lispelnden Susi (Alexa Büchele) und Betty (Madeleine Börkel, die in Windeseile aus dem Orchester auf die Bühne geeilt ist und vom schwarzen Streicherinnen-Outfit in ein knallrotes Kostüm gewechselt hat). Mitreißend und voller Bosheiten ist der Song „Mob mob!“ des attraktiven Trios Infernale, ehemalige Klassenkameradinnen von Miss Dick, deren äußerst spitze Zungen an niemandem ein gutes Haar lassen. Ein umwerfender Auftritt der drei jungen Damen!.
Bei der Gartenparty passiert dann das Unglück. Beim Anschneiden der überdimensionalen Geburtstagstorte wird Miss Dick gestochen. In ihrem allergischen Schock erlebt sie ihre Eltern vorm Familiengericht. Die Mutter, von der sie nie geliebt, nur belehrt wurde; den Vater, laut Mutter habe er sie in den Ruin getrieben, der schon zu Lebzeiten den gesamten Besitz seiner Tochter vermacht hat. Die Tochter, die Anklage erhebt und am Ende von roten Teufelchen auf der in rotes Licht getauchten Bühne hin- und hergerissen wird. Befreit wird sie von den engelsgleichen kranken Kindern ganz in Weiß und John.
Noch im Schockzustand erkennt sie ihr Unglück, keine Freunde zu haben. Geläutert erwacht sie mit der Erkenntnis: „Das Leben ist schön, und mein Leben soll auch schön werden.“ Das happy end ist nah.
Zum Schlussbild singen und tanzen alle bei der nun ausgelassenen Geburtstagsparty - und das Publikum klatscht im Rhythmus mit. „Welcome to the set!“
Stehende Ovationen für eine glanzvolle Premiere mit großartigen Leistungen aller Mitwirkenden unter der Regie von Sarah Jenz, Leiterin der Theater-AG, des 6er-/7er-Chors von Miriam Burkhardt, der Tanz-AG von Inge Schön, der Bühnenbild-AG von Karin Plötzner, der Brackenheimer Philharmoniker von Daniel Strasser, unterstützt von Kollegen sowie Gästen und Andreas Scheer, seit Jahrzehnten zuverlässig dabei am Kontrabass, der vielen Schüler, die sich um Technik und Maske kümmern, der Souffleuse, und natürlich des Texters und Komponisten Siegfried Liebl, der das Musical den Schülern sozusagen „auf den Leib“ geschrieben hat – witzig, komisch, emotional.
Nicht nur BM Thomas Csaszar ist am Ende beeindruckt von den vielen jungen Talenten vor, auf und hinter der Bühne. Auch Sarah Jenz bedankt sich am Ende begeistert bei allen Mitwirkenden: „Ich bin ganz arg stolz auf euch!“ Zu Recht! elk








