Skurrile Gestalten, berührende Schicksale und mitreißende Musik

Erfolgreiche Kooperation vieler Ensembles macht das Mammutprojekt „Oliver“ möglich

Üppige Chor- und Tanzszenen, Ohrwürmer, dramatische Geigenklänge (Laura Klooz), urkomische Monologe, emotionale Liebeslieder, tragische Szenen, perfekte Besetzung.
Mit einem spektakulären Highlight beendet das Zabergäu-Gymnasium die kulturelle Veranstaltungsreihe des Schuljahres: mit „Oliver“, dem Musical von Lionel Bart, frei nach „Oliver Twist“ von Charles Dickens.
In gekürzter, deutlich veränderter Form und mit einem viel netteren Bandenboss Fagin erleben die Zuschauer im Bürgerzentrum am Freitagabend eine großartige Premiere mit über 100 Mitwirkenden (viele Rollen sind doppelt besetzt).
Ruhig beginnt die Ouvertüre mit den Brackenheimer Philharmonikern, wechselt rasch in einen flotten Marschrhythmus, zu dem ein riesiger Chor – armselige Waisenkinder mit verschmutzten Gesichtern, leeren Blechnäpfen und hungrigen Mägen - durch das Publikum auf die Bühne stapft und dabei um „Brot, herrliches Brot“ bittet. Oliver (Nacara Leckebusch/Taren Leckebusch) soll Mr. Bumble (Timur Heimannsberg), den Leiter des Waisenhauses, um Nachschlag bitten. Eine Bitte mit ungeahnten Folgen. „Der Junge ist geboren, gehängt zu werden“, entsetzt sich Mr. Bumble, der ganz andere „Sorgen“ hat: die Witwe Corney (Lisa Beyl/Philine Armbruster) zu einem amourösen Abenteuer zu verführen. Eine köstliche Szene, deren Folgen  Bumble schon bald nach der Eheschließung bereuen wird.
Oliver landet zuerst beim Leichenbestatter Sowerberry, wo es ihm nicht lange besser geht. Jonas Schmoll, als Sowerberry dem Alkohol zugetan, souverän in Frack und Zylinder mit Bumble um den Kaufpreis von Oliver feilschend, wechselt immer wieder von der Bühne ins Parkett, denn er spielt auch im Orchester mit.
Auf seiner Flucht nach London begegnet Oliver dem jungen Taschendieb Dodger (Emma Schulze/Annika Lahme), der ihm von dem „Gentleman“ Fagin vorschwärmt, zu dem er ihn mitnimmt. Über  Fagin, ideal besetzt mit dem Abiturienten Daniel Naumov, würde sich Dickens wohl wundern. Er begeistert mit seinen „Zuckerbrot und Peitsche“-Sprüchen, mit denen er seine Diebesbande zur Arbeit schickt. Die herrlichste, nicht zu toppende Szene des Abends: das Zwiegespräch mit seinen Schätzen, Schmuckstücken, die ihn sogar von Ascot träumen lassen. Selbstverliebt wagt er ein nächtliches Tänzchen zu „Figaro! Figaro! Fi-i-garo!“ Donnernder Applaus!
Hervorragend besetzt ist mit Cosima Naffin auch die Rolle der Nancy, die sich um Oliver kümmert und ihn zu seinem im Verlauf bekannt gewordenen Großvater (Wolfgang Brunstein) bringen möchte. Fröhliche Gassenhauer wie „Um-pa-pa“, zu dem Chor und Tanz-AG die Beine schwingen, gefühlvolle Liebeslieder wie „So lange Bill [Konrad Nowacki] mich will“, der sich von ihr verraten glaubt, sie tötet und selbst von der Polizei erschossen wird, meistert sie brillant.
Oliver wird von seinem Großvater schließlich aus seinem Elend erlöst.
Das Schlusswort gehört Fagin und einem flotten Liedchen über seine Zukunft: „Vielleicht werd‘ ich gut.“
Beim gloriosen Finale sind alle noch  noch einmal singend und tanzend  auf der Bühne vereint. Welch fantastische Inszenierung, die an drei Abenden rund 1200 Zuschauer ins Bürgerzentrum lockte, dank hervorragender Schüler sowie Regisseurin Sarah Jenz und ihrer Kollegen Miriam Burkhardt, Dorothee Rieger, Daniel Strasser, Inge Schön, Sybille Proksch und Annette Schuh ! Chapeau!

19./20./21.7.2019

 

Bilder von Freitag

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